Druckschrift 
2 (1879) Die Industrie des bergischen Landes : (Solingen, Remscheid und Eöberfeld-Barmen)
Entstehung
Seite
27
Einzelbild herunterladen
 

II. 3.

27

Schwertfeger-Handwerk das Versprechen auferlegt wurde, denvon ilnn aufgenonnnenen fremden Personen nicht mehr dasMessennachen zu lehren. Am 27. September 1(158 wurden dieBedingungen des Meisterwerdens nochmals für alle Handwerkein Erinnerung gebracht.

Mit dem Ende des XVII. Jahrhunderts gelangt das ersteStadium der socialöconoinischen Entwicklung in der Messer-industrie zum Abschluss. Bis dahin hatte im Wesentlichender handwerksmässige Betrieb geherrscht. Es waren selb-ständige Kleinmeister gewesen, die sich unter einander be-fehdet hatten: einerseits vertheidigten sie sich gegen die stoss-weise Concurrenz technisch mangelhaft vorbereiteter Genossen,andererseits erwehrten sie sich der Arbeitsteilung, welche eineBeilie von selbständigen Meistern zu blossen Lohnarbeiternherabgedrückt hätte. Die Ausbildung des hausindustriellenBetriebes erhebt das System der Lohnarbeit zur herrschendenThatsache. Der Kampf der gleichstehenden Meister untereinander hört auf, es beginnt der Kampf der Lohnarbeitergegen die Arbeitgeber; den letzteren gegenüber einigen sichdie Meister aller Handwerke.

Wer waren denn die Arbeitgeber? Drei Gruppen lassensich bis auf den heutigen Tag unter denselben unterscheiden.Zunächst die sogen, privilegirten Kaufleute, hervorgegangenaus den Schwertkaufleuten, die nach Verlust ihres Artikelsstatt Schwert- nun Messerklingen auf die Messen führten undim Auslande verhandelten, und aus dev Klasse der Fertig-macher, welchen es geglückt war. durch vortheilhafte Verkäufesich ein Vermögen zu machen; diese privilegirten, dem Hand-werk ungehörigen Kaufleute kauften ihre Messer entwederfertig vom Fertigmacher oder Hessen sie wie diese stückweisegegen Lohn fabriciren; der Schwerpunkt ihrer Thätigkeit lagim Handel. Die zweite Gruppe bildeten die oben bereitscharacterisirten unprivilegirten Kaufleute, welche fertige Messerankauften; sie fanden ihren Haupterwerb im Handel mit anderenWaaren. Drittens die Fertigmacher, die eigentlichen Leiterder technischen Production; sie bildeten die Aristokratie desHandwerks und die Mittelstufe beim Aufsteigen des gewöhn-lichen Meisters zu der social und wirthschaftlich höchst stehendenKlasse der Kaufmannschaft. Die Einrichtung der Leihgebühr,jener Beschränkung der wöchentlichen Production, in derSchwertfabrik und das Verbot , mehr als einen Knecht undeinen Jungen zu beschäftigen, in den andern Handwerken,verhinderten den Uebergang zur Manufaktur, zu jenemUn-wesen 1 -, in eigener Werkstätte durch Vergrösserung des Be-triebes die Ersparnisse werbend anzulegen. Die einzige Mög-ligkeit für die aufstrebenden Meister vorwärts zu kommen,war die: hausindustrielle Kaufleute zu werden; sie kauften dieMaterialien ein, Hessen sie gegen Lohn bearbeiten, setzten