Druckschrift 
2 (1879) Die Industrie des bergischen Landes : (Solingen, Remscheid und Eöberfeld-Barmen)
Entstehung
Seite
24
Einzelbild herunterladen
 

24

II. 3.

durch eine Lehrzeit und ein Meisterstück, die Güte derWaarendurch das Zeichen, welches jeder Meister auf die seinigen zuschlagen verpflichtet war: die fertigen Messer mussten denRathleuten vorgewiesen werden. welche dann auf die tüchtigbefundenen das allgemeine Solinger Beizeichen als Garantiefür das Ausland schlagen liessen. Von den vier Rathleutenwählte jedes der drei beschlossenen und das Messermacher-1 land-werk einen, der Vogt wurde aus dem letzteren von der herzog-lichen Behörde ernannt.

Durch die Vorbehalte der drei beschlossenen Bruderschaftensah sich das Messermacherhandwerk zu Zeiten einer sehr unbe-quemen Concurrenz ausgesetzt. Ging die Schwertfabrik schlecht,so legten sich deren Arbeiter auf das Messermachen, und zwarlieferten sie schlechte Maare, da die Technik immerhin eineandere war. Betraf der Stillstand zugleich auch die Messer-fabrik, so wurde die Concurrenz unerträglich, zumal die Messer-macher nicht einmal Vergeltung üben durften. Was war dahernatürlicher als ihr Bestreben, sich solcher brüderlicher Tlieil-nahme an ihrem Erwerbe zu entledigen oder jenen dochwenigstens Bedingungen aufzuerlegen, welche wie die Lehrzeitund das Meisterstück, sie selbst erfüllen mussten.

Weit gefährlicher noch als das stossweise Eindringen derSchwertbrüder wurde die wirthschaftliche und sociale Stellung,welche die Fertigmacher einzunehmen begannen. In den Zeiten,wo die Beschaffenheit der Messer eine sehr einfache, wo dieKlinge die Hauptsache war, konnte es wirkliche Messermachergeben in der Art, dass ein und derselbe Mann Schmied, Beiderund Fertigmacher war und nur gegen Lohn schleifen liess.Als nun etwa im XVI. Jahrhundert die Arten der Messermannigfaltigere und complieirtere wurden, und die Schmiede,vor allem die nur zur Aushülfe an den Messerklingen beschäf-tigten Schwertschmiede, immer seltener auch die Nebenarbeitenauszuführen verstanden, da bahnte sich eine immer weiter-gehende Arheitstheilung au, und die Anzahl der Hülfsarbeiternahm zu. Als Correlat dieser Arheitstheilung trat nun einFactor in die Production, welcher dieselbe leitete und die inden zerstreuten Werkstätten erzeugten Fabrikate zu einemGanzen zusammenfasste, das war der Fertigmacher. Fr wares, der den Messer- und Frischmieden, den Ilefte- und Bände-machern, ihre an sich unverkäuflichen Waaren abkaufte undsie zu Messern zusammensetzte. Da unter jenen Arbeitern,namentlich unter den Hefte- und Bändemachern und Arbeiternähnlicher Art, welche ausserhalb der Zunft standen und daherunprivilegirte Arbeiter hiessen, ferner auch unter den Messer-schmieden sich viele arme Leute befanden, welche ausser Standewaren, den Vorschuss auf den Ankauf des Materials zu leisten,so kauften jene Fertigmacher sämmtliche Materialien in grösserenMengen ein, lieferten sie den Arbeitern und liessen diese um