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II. 3.
ein Arbeiter berechnet x ) bei einer Arbeitslosigkeit von drei(wohl noch zu wenig) Monaten im Jahr die Wochenverdiensteeines Schmiedes auf 10.50 und eines Schleifers auf 10.85 Mark.
Bei dem seit .lahrzelmten rückgehenden Begehr könnendie Arbeiter keinerlei Lohnerhöhung erzwingen. Einmal schienAussicht dazu vorhanden, als von den Kaufleuten eine Liefe-rung Säbel übernommen war. Sie hatten bei der Calculationder Preise mit den Schleifern Rücksprache genommen unddiesen, die anfangs nur 35 Pf. pro Stück gefordert hatten,sogar 40 Pf. bewilligt, um ihrer sicher zu sein. Kaum wardie Caution von 150000 Mark hinterlegt, so forderten dieSchleifer auf Beschluss ihres Vereins 50 und nach einigenWochen sogar 60 Pf. Da baten die Fabrikanten um einenAufschub der Lieferung von drei Monaten, telegraphisch wurdederselbe gewährt, wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nach-richt durch die Stadt und nun fügten sich die Schleifer zumLohne von 42fL Pf. pro Stück. In ähnlicher Weise misslangihr Versuch, einen Lohnsatz festzustellen. Während in denanderen Solinger Jndustrieen, welche für den Weltmarkt arbei-teten, die Schleiflöhne um 75—100‘y o stiegen, im ungünstigstenFalle 1004-75 = 175 waren, fielen sie in der Schwertfabrikvon 100 — 50 = 50. Was Fabrikant und Exporteur, die beidemit furchtbarer Concurrenz zu kämpfen hatten, mit 175 be-zahlten, kaufte der Staat mit 50.
Die Solinger Walfenindustrie ist in dauerndem Rückgängebegriffen; es verbleiben ihr höchstens die Bestellungen kleinerStaaten und die des Deutschen Reichs, welches in ruhigenJahren nur 10000 Ersatzwarten verbraucht: diese werden imN'u hergestellt. Darauf folgt, dass die grosse Menge derFabrikanten und Arbeiter überzählig ist; die ersteren sind inder Regel Exporteure oder betreiben andere lndustrieen; dieletzteren verbleiben bei ihrem Gewerbe. Vorderhand zehrensie von ihrem Vermögen, der Erbschaft früherer Jahrhunderte;bald wird auch dieses aufgebraucht sein. So ist es denn eineallseitig zugestandene Thatsache, dass die vormals aristo-kratische Klasse der Waffenarbeiter heute eine durchaus pro-letarische ist.
Da an den Ursachen des Rückganges im Wesentlichennichts zu ändern ist, so muss die Anzahl der Schwertarbeitersich vermindern. Das ist leichter gesagt, als gethan. Es wirdspäter nachgewiesen werden, dass in Solingen ganz allgemeineine Ueberzähligmachung der Handarbeiter stattgefunden hatund diese durch die miissiggehenden Waffenarbeiter noch ver-stärkt wird. Es bleibt daher die Wahl zwischen einer Aus-wanderung der Arbeiter (wohin, wird für diese angesessenenLeute bei der heutigen Arbeitslosigkeit wohl kaum Jemand
0 Solinger Freie (Soc. dem.) Presse vom 9. Nov. 1877.