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1790—1815 strengten alle Staaten sich aufs Aeusserste an, umin ihrem Kriegsbedarf sich unabhängig zu stellen; die- einenverbesserten die bestehenden Einrichtungen, die andern riefenneue ins Leben und suchten selbst mit den grössten Opferndie Wattenindustrie heimisch zu machen. So verlor SolingenFrankreich, welches während der Revolution seine Fabrikengründete und nach dem letzten Kriege sich ganz selbständiggemacht hat, England, das früher kaum einige hundert Arbeiterbeschäftigt hatte, später aber auf der pyrenäischen HalbinselConcurrenz bereitete, Polen, dessen König keinen Degen mehrbrauchte. Andere Länder, wie die Republiken Südamerikas.Mexico, die Havanna decken einen grossen Theil ihres Bedarfsdurch die von den europäischen Heeresverwaltungen ausrangirtenWatten, deren grosser Yorrath in den Zeughäusern einen Druckauf die Preise ausübt. Nur unbedeutende Staaten Europas,wie die Schweiz, Rumänien und andere sind bis heute treueAbnehmer geblieben.
Ein Hauptgrund für die Einrichtung und Vervollkomm-nung der ausländischen Waffenfabriken waren die hohen Preise,welche Solingen forderte. Das hing mit dem trostlosen Zu-stande der Technik zusammen, wie er in einem folgendenCapitel geschildert werden soll. Die Schleiferei konnte nämlichin den verfallenen Wasserkotten oft monatelang im Jahre nichtbetriehen werden und zwang dadurch auch die Schmiedereizum Stillstände; in Folge dessen mussten die Stücklöhne unddamit auch die Waarenpreise sehr hohe sein. Das wurde einSporn für die fremden Staaten, ihre Werkstätten sofort mitDampfkraft zu versehen, um bei fortlaufendem Betriebe dieArbeiter billiger zu beschäftigen. Das war nur der Anfangin der Umwälzung der Technik. Völlig ermöglicht wurde die-selbe erst durch die Vereinfachung der Bewaffnung. Währendfrüher ausser dem Bayonett noch ein kurzer Infanteriesäbel ge-tragen wurde, wird heute das Seitengewehr als Bayonett auf-gepttanzt. Die Gestalt der Klingen war früher eine sehrcomplieirte und phantastische, es gab da Blutrinnen, Flam-beaus u. s. w.; heute haben sie eine glatte und sehr einfacheForm. Früher mussten sie mit grosser Kunst unter der Handgeschmiedet werden, und es w'ar sehr schwierig die Buckelder Hammerschläge fortzuschleifen; die heutige Gestalt ge-stattet die Anwendung maschineller Einrichtungen. Zuerstin Klingenthal im Eisass führte man die Walzen ein, es folgtedaiin Suhl auf dem Thüringer Walde, endlich ein Fabrikantin Solingen. Das Walzen der Klingen macht das Schmieden,aber auch das Schleifen überflüssig, denn man kann sich mitdem blossen Pliesten und Policen begnügen. Auch beimMontiren ist der mechanische Betrieb bereits eingedrungen.Wenn irgend eine Industrie eine den dauernden Bedarf über-steigende Productionsfähigkeit besitzt, so ist es die Waffen-