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2 (1879) Die Industrie des bergischen Landes : (Solingen, Remscheid und Eöberfeld-Barmen)
Entstehung
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II. 3.

meiner arbeiteten sie wie die übrigen Handwerker nach denAngaben der Kaufleute: diese übernahmen die Lieferungen vonEisen, Stahl-und anderen Rohstoffen, und wenn dieselben bisauf den heutigen Tag formell auch noch als verkauft gelten,so war thatsächlich der früher selbständige Handwerksmeister,der kleine Fabrikant, zu nichts anderem als zu einem haus-industriellen Lohnarbeiter geworden. Ganz andere Interessensind es nun, welche die Bruderschaften beseelen. Früherhandelte es sich bei den selbständigen Handwerksmeistern umdie Ordnung des Verkaufs ihrer Waaren und deren Preise,von nun ab um die Ordnung des Verkaufs ihrer Arbeitskraftund deren Preise; die Lohnkämpfe sind es, welche das XVIII.Jahrhundert erfüllen.

Etwa im XVII. Jahrhundert hat sich der Wechsel desBetriebssystems vollzogen; die grosse Zahl der sogleich zuerwähnenden Verordnungen legt dafür Zeugniss ab; zugleichbeweist sie auch, dass die in Zünfte festgegliederten Meisterklar die Gefahr übersahen und sich nach Kräften gegen dieselbewehrten. Am 14. October 1607 wurde für die Schleifer, imJahre 1673 für die Schwertschmiede eine Satzordnung derLöhne errichtet; das Auszahlen derselben in Waaren (Truck-system) wurde am 11. März 1654 für die Schleiferzunft, imJahre 1687 für alle Handwerke verboten, das System derLohnarbeit war also allgemein geworden! Da die Kaufleutedes billigen Lohnes wegen auch schlechtere Arbeiter beschäf-tigten, wurde am 3. October 1643 eine Ordnung über dieHandwerksknechte und Lehrlinge erlassen; der Waaren verkaufund die Verbundstrafe wurden im Jahre 1623 geordnet. DasAlles waren nur Plänkeleien gegen den drohenden Feind deskaufmännisch-capitalistischen Betriebes der Hausindustrie,durch die kurfürstliche Bestätigung und Revision sämmtlicherPrivilegien und Sechsmannesbriefe am 18. November 1687glaubten die drei Zünfte ihre Selbständigkeit wieder herge-stellt und das System der hausindustriellen Lohnarbeit be-seitigt zu haben. Die Handwerksmeister hofften auf eineRestauration einer überwundenen Betriebsform.

Die Unordnung scheint eine heillose gewesen zu sein; amEingänge sämmtlicher Documente wird Klage über dieselbegeführt; Commissare waren zu ihrer Untersuchung abgesandtworden. Vor allem hatten die Kaufleute, was ihnen alsreichsten und darum als mächtigsten im Handwerk nichtschwer fiel, sich der Organe der Rechtspflege und Verwaltungbemächtigt; die Reaction schloss sie daher aus der Vogts-und Rathsbedienung wie aus dem Institut der Sechsmänner aus.

Die Kaufleute hatten ferner ihren ganzen Einfluss dahingeltend gemacht, eine Concurrenz unter den Arbeitern herbei-zuführen, indem sie zu viel junge Meister ohne Prüfung auf-nehmen Hessen; diese fühlten sich dann an keine Ordnung