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2 (1879) Die Industrie des bergischen Landes : (Solingen, Remscheid und Eöberfeld-Barmen)
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II. 3.

und Schwertfegerzunft preisgegeben, und um Missbrauche zuvermeiden, war bestimmt, dass die Schmiede, falls die Kaufleuteihnen nicht in der nämlichen Woche bezahlt hätten, am nächstenSonntag die Klingen nach Solingen in ein bestimmtes Hausbringen und dort den Kaufleuten feil bieten sollten. Würdensie des Kaufes nicht einig, so sollten die Klingen dort bleibenbis zum nächsten Sonntag, und kam selbst dann der Kaufnicht zu Stande, so sollten die Schmiede zwei Brüder wählen,welche einen Preis schätzten. Konnten die Kaufleute sich zudiesem nicht verstehen, dann sollten die Schmiede die Klingenwieder an sich nehmen, sie härten und schleifen, fegen undbereit machen lassen und die Kaufleute sollten sie inner- oderausserhalb Landes verkaufen (vielleicht auf Rechnung derSchmiede). Da also die Schmiede der Gefahr ausgesetzt waren,für ihr Halbfabrikat keinen angemessenen Preis zu erhalten,>o lag es ihnen nahe, dieselben alsschwarze Klingen zuverkaufen; dadurch hätten aber die folgenden Arbeiter ihrVerdienst eingebüsst und es wurde verboten, ein Schwert unbe-reidet ausser Landes gehen zu lassen. Um eine Gleichmiissig-keit in dem Einkommen der Schmiede herzustellen, wurde dasMaximum der täglichen Production festgesetzt: ein Schwert-schmied durfte nicht mehr als vier Schwerter, ein Messerschmiedzehn Stechmesser, ein Baselerschmied acht und ein Cordin-schmied zehn Stück und zwar richtig und gut schmieden.

Der Gang der Fabrikation mag im XV. Jahrhundert wohlfolgender gewesen sein. Der Schwertschmied kaufte das Eisenin Stangen, schmiedete in drei Hitzen aus freier Hand dieKlinge nach Länge und Dicke aus und gab ihr die erforderlicheForm. Theilweise verkaufte er die Schwerter selbst und liessin diesem Falle die schwarzen Klingen gegen Lohn schleifenund härten, kaufte Scheiden und Griffe, liess sie gegen Lohnbeneiden und verhandelte dann die fertigen Schwerter. DieSchwertschmiede, die Schwertfeger und die Kreuz- und Knauf-schmiede waren durchaus selbständige kleine Fabrikanten,welche aus eignem Material ihr Halb- oder Ganzfabrikat her-stellten und manchmal direct an die Kunden, meist aber andie Beider absetzten. Diese waren sowohl kleine Fabrikanten,welche die in arbeitstheiliger Production entstandenen Halb-fabrikate ankauften und zusammensetzten, als auch Kaufleute,welche Handel mit der fertigen Waare trieben; nur in denseltenen Fällen, wo der Schmied seine Klingen reiden liess,um selbst die Schwerter zu verkaufen, waren die Reider auchLohnarbeiter. Die Hauptmasse der Arbeiterschaft bestanddemnach aus selbständigen Handwerksmeistern, aus kleinenFabrikanten; es spielt daher während der handwerksmässigenBetriebsweise der Industrie das Streben nach der Erzielungeines angemessenen Preises für die Waaren die Hauptrolle.

Lohnarbeiter in jedem Falle waren die Schleifer und die