Neuntnrndert und dreinn-achtzigste ^ncht.
Harem und fand seine Frau im Koran lesend. „Wie!" schrie er sie an, „du treulosesWeib, du unreine Buhlerin wagst es, das heilige Buch Gottes zu berühren?" Dieunschuldige Vizierin glaubte zuerst, ihr Gatte scherze oder sey von Chaschisch betrunken,oder habe heute eine zu große Dosis Opium genossen; sie lachte daher und bat ihn, zuBette zu gehen und seinen Rausch auszuschlafen. Der betrogene Vizier begnügte sichaber keineswegs mit dieser Antwort, und schon wollte er seine Gattin mißbandeln, alsalle Damen des Harems ihn abhielten und beschworen, sich wenigstens zu erklären, dasie doch seine Frau immer bewachten und wohl wüßten, daß sie seit mehreren Tagen ihrGemach nicht verlassen. „Elende Kupplerinnen!" schrie der Vizier, „wie wollt ihr diesbehaupten, da ich sie mit eigenen Augen im Divan tanzend und mit dem Sultan sichin ein Nebenzimmer verschließen sah?" Jetzt stieg die Entrüstung der Vizierin und die^ Verwunderung des ganzen Harems auf's Höchste. Der Vizier selbst, dem seine Gattindrohte, ihn beim Sultan anzuklagen, glaubte eine Weile geträumt oder sich getäuschtzu haben; aber die Weinspuren, die er im Divan fand, so wie das in Unordnungliegende Bett im Nebenzimmer zeugten allzusehr von der Wirklichkeit seiner Bebanptnng,und es blieb ihm nichts Anderes übrig, als sich zu sagen, die Tänzerin des vorigenAbends habe die vollkommenste Aehnlichkeit mit seiner Gattin, so daß er sie für eineund dieselbe Person hielt.
In der nächsten Nacht erzählte Schehersad folgendermaßen weiter: