Druckschrift 
4 (1841)
Entstehung
Seite
894
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894 ' Neunhundert und dreiunduchtzigste Nacht.

geschnitzelten Männer an, sich zu beleben, und siehe da! der Sultan Beibars, dieViziere, der Khadi, die Uleina, die Emire und alle andern hohen Beamten des Reichsmit ihren Frauen bildeten sich nach und nach aus diesen papiernen Männchen, verbeugte»sich vor Kiptawil, küßten ihm die Füße und fragten ihn:Was gebietest du uns, vmächtiger Herr?" Kiptawil ertheilte einem Jeden den Auftrag, je nach seinem Amteund Range sich in Kahira so zu benehmen und solche Befehle zu ertheilen, daß diegrößte Verwirrung und Unzufriedenheit mit Beibars daraus entstehe. Der falscheSultan ging gleich Abends diesem Befehle gemäß mit dem Zauberkhadi zum Vizier AliEddin. Dieser zitterte, als er seinen Herrn zu einer ganz ungewöhnlichen Stunde beisich sab, und konnte vor Angst kaum einen Gruß herstammeln. Noch größer war abersein Erstaunen, als der Khadi ihm sagte:Der Sultan will sich diesen Abend bei dirbelustigen; schaffe nur guten alten Wein her!"Bin ich ein Christ, bei dem manWein findet?" fragte der Vizier ganz betroffen;und hat der gottesfürchtige Sultanjemals ein unreines Getränk genossen?"Kennst du mich nicht, Ali Eddin?"versetzte der Khadi mit drohender Stimme;wagst du es, unwissender Esel, in meinerGegenwart etwas zu erlauben oder zu verbieten?"Und kannst du, niedriger Sklave,dich dem Willen deines Herrn widersetzen, vor dem die ganze Welt zittert?" setzte derSultan mit zorniger Miene hinzu. Ali fiel vor dem Sultan nieder, bat um Verzeihungund ließ aus einem griechischen Weinhause vom besten Wein holen, und der Sultan undder Khadi tranken so lange, bis sie berauscht waren. Dann sagte der Khadi zumVizier:Geh in dein Harem und hole deine Frau für den Sultan, denn nach so vielemWein ist es gefährlich, auf die Straße zu gehen, ohne vorher sich mit einem Frauen-zimmer unterhalten zu haben."

Jetzt verlor der Vizier alle Geduld und schrie:Ist mein Haus ein schlechtesWeinhaus? Bin ich ein elender Kuppler? Ist mein tugendhaftes Weib eine Buhlerin?"Was hast du so viel zu schreien und zu lärmen?" versetzte lächelnd der Khadi;sieh,da kommt ja deine Frau ganz ungerufen!" In der That öffnete sich Plötzlich die Thüreund die falsche Bizierin tanzte mit entblößtem Gesichte und leicht verschleiertem Busen,kleine goldene Schellen zwischen den Fingern haltend, durch den Saal, in welchem ihrMann mit den Gästen sich aufhielt, sprang dann in ein Nebenzimmer, drehte sich aberan der Thüre noch einmal um und winkte dem Sultan zu. Dieser eilte ihr ohneUmstände nach und schlug dem ihm folgenden Vizier die Thüre vor der Nase zu. AliEddin fiel in Ohnmacht, und als er wieder nach einer halben Stunde sich erholt hatte,fand er Niemanden weder im Saale, noch im Nebenzimmer. Er ging sogleich in sei»