Neunhundert und vierzigste Nacht. !
Sobald Mutaßem den Tod Ismail Senki's vernahm, schrieb er nach Halcb, !Mahmud Schah sey am würdigsten, sein Nachfolger zu werden. Mahmud Schahwurde später unter dem Beinamen Nureddin Schahid (Licht des Glaubens, Märtyrer)bekannt, weil ihm einst der Prophet Mohammed erschien, und er vorzog, vorLicbesgram zu sterben, als seine Liebe auf eine sündhafte Weise zu befriedigen. Zuseiner Zeit lebte der Scheich Nislan, welcher eines Tages seinen Schülern durch heiligeWunderkraft die ganze Natur, wie sie in den vier Jahreszeiten sich umgestaliet, zeigte.Er schrieb auf vier Stäbe: Sommer, Winter, Herbst und Frühling. So wie er denersten berührte, standen alle Felder um sie herum in der schönsten Sommerpracht, dieSonne brannte heiß, kein Wölkchen trübte den Himmel und gänzliche Windstille herrschteüberall. Als er hierauf den mit Herbst beschriebenen Stab in die Hand nahm, wurdenalle Blätter und alles Gras gelb, ein starker Wind erhob sich und stürmte fort, bis er-den Winterstab ergriff, da regnete es heftig, Erde und Bäume waren ganz nackt undmit Eis bedeckt. Zuletzt berührte er den Frühlingsstab, da sproßte ein frisches Grünaus dem Boden, und die schönsten Blüthen prangten auf den Bäumen. Von diesemScheich wird ferner erzählt: Eines Tages kam einer seiner Schüler zu ihm und sagteihm, er wünsche sich zu verheirathen. „Wen willst du heirathen?" fragte ihn AbuNislan. Der Schüler antwortete: „Die Tochter des abendländischen Fürsten AbuJakub." — „Geh zu ihm hin und frage ihn, welche Morgengabe er begehrt," sagteAbu Rislan, „und komme wieder her." Der Schüler ging in Abu Jakubs Schloß,und keiner der sieben Pförtner, an denen er vorüberkam, um in das Zimmer zugelangen, wo Abu Jakub sich aufhielt, bemerkte ihn. Abu Jakub, vor dem Niemandunangemeldet erscheinen durfte, erschrack, als er plötzlich einen armen, ihm unbekanntenMann vor sich sah, und fragte ihn, was er begehre. „Ich will deine Tochter zur Frau." —„Bist du im Stande, die ihr gebührende Morgengabe herbeizuschaffen?" — „MeinMeister wird mir geben, was du begehrst." Da holte Abu Jakub vierundzwanzigEdelsteine aus seinem Kabinet und sagte: „Diese Steine hat meine Frau zur Morgen-gabe erhalten, kannst du meiner Tochter ebensoviel bringen, so sollst du sie zur Frauhaben." Der arme Mann ging wieder zu seinem Meister, um ihm die Antwort AbuJakubs zu bringen. Dieser ließ, sobald sein Schüler weg war, seine Pförtner rufenund fragte sie, warum sie einen Fremden bis in sein Zimmer dringen ließen? Aber sieschwuren, Einer nach dem Andern, sie haben Niemanden gesehen. Abu Rislanging inzwischen mit seinem Jünger an den Fluß und holte dreißig Steine hervor, legtesie in ein Körbchen, deckte sie zu und sagte zu seinem Jünger: „Bringe diese Steine
Tausend und eine Nacht. IV.
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