^10 Achthundert und riernndliicrzijiste Nacht.
Nachdem mein Vater den Kaufleutcn seine-ganze Geschichte erzählt hatte, sagten sieihm, er könne mit ihnen nach Syrien zurückkcbren, denn auch sie seyen von einemSturm auö dem mittelländischen Meer in den Ocean getrieben worden, als sie ausdem Abendlande nach Latakie segeln wollten.
Mein Vater — fuhr Ali in seiner Erzählung vor dem Chalifen Abdul Malikfort — schenkte den Schifflcutcn einige von den Edelsteinen aus dem Beutel, den ihmder König Amrad geschenkt hatte, wogegen er reichlich mit Kleidern, Wasser undNahrungsmitteln versorgt ward. Er gelangte nach einigen kleinen Unglücksfällen nachLatakie, wo er nur kurze Zeit sich aufhielt, und kehrte dann zur größten Freude allerseincr Bekannten und Verwandten nach Damaskus zurück, wo er bald die höchstenStaatsämlcr bekleidete.
Neun Monate nach meiner Mutter Hochzeit gebar sie mich und ließ mich auf dassorgfältigste erziehen. Mein Großvater, der mich wie seinen eigenen Sohn liebte, ließ ^die besten Lehrer kommen und mir im Lesen und Schreiben, dann in der Philosophie, !
Geschichte und Astronomie Unterricht erthcilen. Ich hatte kaum das Jünglingsalter'
i
erreicht, als mir die Schwcrmuth meiner Mutter aufsicl; so oft sie mich sab, umarmtesie mich mit einer mehr als mütterlichen Heftigkeit. Sehr oft weinte sie, wenn sie mich!küßte, und sagte: „Du siehst deinem Vater gar zu ähnlich." So oft ich sie aber fragte,!wer denn mein Vater war, nannte sie mir einen unbekannten König. !
Eines Tages schlug ich einen ihrer Sklaven, der mir von meiner Kindheit anverhaßt war, und sagte ihm: „Verruchter Schwarzer, wie oft habe ich dir schon gesagt,ich wollte dich nicht mehr vor meinen Augen haben; warum weichst du mir nicht aus,wenn du mich kommen siehst?" Da antwortete er mir: „Ich bin allerdings nur einSklave, doch kennt Jeder meine Eltern und weiß, daß sie auch Sklaven waren, wie ich;aber du, vaterloser Bube, weißt du, daß dein Vater ein unbekannter, auf dem Meeraufgefundcner, hergelaufener Mensch war! Gott verdamme dich, weil du mich somißhandelst, und lasse dich gleich mir unter fremden Leuten umherwandern, die keinMitleid mit dir haben!" Der Sklave entfloh bei diesen Worten; ich verfolgte ihn mitentblößtem Schwerte, konnte ihn aber nicht erreichen und wußte gar nicht, wo erhingekommcn, ob er in die Erde versunken oder in den Himmel gestiegen. Ich bliebeine Weile über die Aussage dieses Sklaven nachdenkend sitzen; dann begab ich mich zumeiner Mutter. Sic küßte und umarmte mich wie gewöhnlich; ich blieb aber ernst unddüster neben ihr sitzen, und als sie mich fragte, was mir denn Unangenehmes wider-fahren scy, sagte ich ihr: „Bei dem erhabenen, barmherzigen Gott, ich muß wissen,