Achthundert und stebenunddreißigstc Nacht.
»Ich zog den Ring, den ich von meinem Vater geerbt, von meiner Hand undüberreichte ihn ihr, und sie gab mir ein kostbares Armband dagegen. Ich schlief dannbald in ihren Armen ein, denn ich hatte schon lange nicht mehr geschlafen, und erwachteerst als die Sonne schon längst brannte; aber wie groß war mein Schrecken, als ichdie Augen öffnete und mich in einer öden Wüste befand, in der kein Mensch sich regte,kein Vogel einen Laut von sich gab, kein grünes Blättchen das Aug' erfreute, wo sichnur das Geheul von Wehrwölfen und das dumpfe Murmeln von bösen Genien vernehmenließ. Ich stand verzweifelt auf, sah mich nach allen Seiten um, entdeckte aber nichts,als Himmel und Sand; da sagte ich den Spruch, dessen sich Niemand zu schämen hat:,Es gibt keinen Schutz und keine Macht, außer bei Gott dem Erhabenen? Dann hobich die Augen weinend gen Himmel und rief: ,O Herr, der du das Geheime wie dasOffenbare kennst, erbarme dich meiner aus Liebe zu Mohammed, blicke auf mich herabmit deinem Auge, das nie schläft, ich weiß ja nicht, wohin ich mich wenden soll, umgegen die brennende Sonne mich zu schützen?
„Kaum hatte ich diese Worte vollendet, als ich in Ohnmacht fiel und ich bliebregungslos liegen, bis die Sonne sich von mir wandte und eine frische Luft michanwehte. Da stand ich auf und tappte in der Dunkelheit umher, ohne zu wissen, nachwelcher Seite hin; bald fiel ich aber von Hunger, Durst, Müdigkeit und Schmerz erschöpftzu Boden und schlief wieder ein. Da hörte ich im Traume eine Stimme, welche mirzurief: ,Sey ohne Furcht, Zäher! deine Hülfe ist nahe? Ich erwachte gestärkt und durchmeinen Traum neu ermuthigt, und ging wieder bis zu Tagesanbruch auf's Gerathewoblvorwärts; da erblickte ich in der Ferne etwas wie ein Feuer, und als ich mich demselbenmehr näherte, sah ich, daß es eine Laterne war, welche auf dem Thurm eines alten,festen, aber sehr hohen Klosters brannte. Das Kloster selbst war auch von tausend Kerzenund Lampen beleuchtet und schien sehr stark bewohnt zu seyn. Ich war nur noch ein paarSchritte davon entfernt, da öffnete ein steinalter, schwarzgekleideter Mönch ein Fenster,steckte den Kopf heraus, und rief: ,O Herr, Schöpfer der sieben Erden und der siebenHimmel, der gesalzenen Meere und der süßen Flüsse, der Dunkelheit und des Lichts,der du die Tobten belebst und die Lebendigen tödtest, Beherrscher dieser und jener Welt,o Gott, dessen heilige Namen gepriesen sepen, Dank sep dir für deine Huld und Erlösungbei deinen Versuchungen; es gibt keinen Gott, außer dir, du allein kennst das Verborgenste,bei dir allein, der du Jakob seinen Sohn Joseph zurückgegeben, ist ein sicherer Zufluchtsortzu finden, du allein bist der wahrhaft Vergebende, darum, o Herr, verzeihe allen Denen,die dir ungehorsam waren, und sende allen Unglücklichen deine himmlische Hülfe?