Achthundert »nd zwanzigste Nacht. Z21
werde es morgen dem Sultan sagen/ antwortete Abid; ,,'ch will einmal zuerst mitmeiner Gattin mich darüber berathen/ denn er liebt sie so sehr, daß er nichts ohne siethui; sie verdient auch wobl eine solche Liebe, denn sie ist die Dame zu Pferd, die dirso gut gefällt.
„Als Abid seine Gattin fragte, was er vom Sultan fordern sollte, sagte sieihm: ,Da uns gar nichts fehlt, so bitte den Sultan, er soll ausrufen lassen, daßjeden Freitag zwei Stunden vor dem Gebete sich alle Bewohner der Stadt in dieMoscheen zurückziehen sollen, damit ich mit meinen Mädchen unverschleiert ausreitenkönne; daß, wer sich aber an einem Fenster oder ans der Straße blicken lasse, meinemSchwerte verfalle/ Abid begab sich am folgende» Tage wieder zum Sultan und trugihm seinen Wunsch vor, den ihm auch der König, seinem Versprechen gemäß, gewäbrte.Da aber die Leute furchten, Hunde und Katzen möchten ihnen ihre Maaren in denoffenen Läden verderbe», sperren sie auch diese Thicre ein, ehe sie in die Moschee gehen.Nun weißt du," fuhr die Gattin des Barbiers fort: „wer diese Dame ist; willst duaber mit ihr bekannt werden, so sage mir, ob du nicht etwa einige Edelsteine bei dirhast." — „O ja," erwiderte Zeitmond: „ich habe allerlei Edelsteine bei mir vonfünfhundert bis zu tausend Dinaren das Stück." — „Gut," versetzte die Frau deöBarbiers: „wenu du einige derselben zu opfern bereit bist, so kannst du zu deinem Zielegelangen. Geh einmal zuerst mit einem Steine, welcher fünfhundert Dinare Werth ist,zu Scheich Abid, dem Obersten der Juweliere, und sage ihm, er soll dir einenSiegelring daraus machen; du gibst ihm sogleich zwanzig Dinare Arbeitslohn und jedemseiner Gesellen einen Dinar, bleibst eine Weile bei ihm sitzen und unterhältst dich mit ihm;kommt ein Bettler, so schenke ihm einen Dinar; zeige dich überhaupt recht freigebig,damit alle Leute im Hause dich lieb gewinnen. Dann komme morgen wieder mithundert Dinaren zu mir, da wollen wir das Weitere berathen."
Zeitmond befolgte pünktlich den ihm ertheilten Rath, und Abid ward so für ihneingenommen, daß er den Edelstein mit nach Hause nahm, um ihn selbst nach Zeit-monds Wunsche zu schleifen. Dies that er nur bei Arbeiten, an denen ihm sehr vielgelegen war, und die er allein verrichtete, damit keiner seiner Gesellen es absehe undandern Meistern verrathe. Als er an dem Siegelringe arbeitete, kam seine Frau in dieWerkstätte und fragte ihn, wem dieser Ring gehöre, der eines Königs würdig wäre.«Er gehört einem fremden Kaufmannssohne," antwortete Abid, „der eben so schön undwvhlgebildet ist, als edel und freigebig; wen» ich nicht fürchtete, dich zu beleidigen, sowürde ich sagen, er ist noch schöner als du." Abid fuhr dann wie ein recht einfältiger
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