Druckschrift 
4 (1841)
Entstehung
Seite
293
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Achthundert und dreizehnte Nacht

Sein Vater Ali war der Vizier seiner Rechten und ein anderer tugendhafter Mann derVizier seiner Linken. Seine Gattin gebar ihm drei Söhne, welche ihm auf dem Thronefolgten, und auch seine Nachkommen lebten in den gesegnetsten Umständen, bis derZerstörer aller Freuden sie heimsuchte. Gepriesen sey Der, dessen Herrlichkeit ewig dauert!

Abukir und Abusir.

In Alexandrien wohnte einst ein Färber, Namens Abukir, neben einem Barbier,welcher Abusir hieß. Jener war ein großer Lügner und Müßiggänger; auch war ihmkein Diebstahl oder sonstiges Verbreche» zu schwer, als wäre sein Herz aus dem Pfeilereines Mischen Tempels gegossen gewesen; so oft ihm Jemand etwas zu färbe» brachte,ließ er sich zuerst den Lohn geben unter dem Vorwände, er habe kein Geld, um Färb-Materialien zu kaufen; er verschwendete ihn aber sogleich für allerlei Leckerbissen; dannverkaufte er auch den Stoff, den er färben sollte, und wenn dessen Eigenthümer ihnwieder verlangte, sagte er ihm:Komme morgen, so frühe du willst findest du deinenStoff gefärbt." Kehlte aber der Eigenthümer am folgenden Tage wieder, so sagte ihmAbukir:Ich hatte gestern Abend Gäste, darum konnte ich nichts arbeiten; morgen,so Gott will, sollst du mit mir zufrieden sepn." Am dritten Tage hieß es:Es thutmir leid, aber meine Frau ist gestern entbunden worden, da konnte ich sie keinenAugenblick verlassen." So ging das fort mit Entschuldigungen, Versprechungen undSchwüren, bis endlich der Eigenthümer ihm sagte:Ich habe jetzt das viele Versprechensatt, gib mir meinen Stoff ungefärbt wieder." Da erwiderte Abukir:Bei Gott,mein Freund, ich schäme mich, die Wahrheit zu gestehen; aber Gott verdamme alleDiebe! denke, ich hatte deinen Stoff noch an demselben Tage, wo du ihn mir brachtest,ausgezeichnet schön gefärbt und an ein Seil zum Trocknen aufgehängt; als ich aberdarnach sehen wollte, fand ich ihn nicht mehr." War nun der Betrogene ein guterMann, so sagte er:Gott wird mir etwas Anderes dafür schenken!" war er aber nichtso leichtgläubig, so stritt er eine Weile mit ihm, drohte ihn zu verklagen, konnte aberwenig dabei gewinnen. Bald ward indessen Abukir in ganz Alexandrien so verschrien,daß Niemand mehr in seine Werkstätte kam, und nur Fremde oder Leute vom Landebrachten ihm hie und da etwas zu färben. Er hielt sich daher gewöhnlich in derBarbierstube seines Nachbars auf, zeigte sich nur, wenn Jemand Arbeit brachte, verbargsich aber, so oft man kam, um dieselbe wieder abzuholen.