Druckschrift 
4 (1841)
Entstehung
Seite
108
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108 Siebenhundert und einundsechzigste Macht.

fragte: was hat dieser Mann begangen? Man antwortete ihr:Er bat ein Verbrechenbegangen, daö er nur durch den Tod büßen kann, oder durch so und so viel Almosen."Sie zog ihr Geld aus der Tasche und sagte:Nehmet diese Drachmen als sein Lösegeldund lasset ihn los." Die Leute nahmen ihr Geld und befreiten de» Mann. Dieser thatsogleich Buße in Gegenwart seiner Netterin, und gelobte ihr, bis zu seinem Tode Gotttreu zu dienen. Er baute ihr eine Hütte zu ihrer Wohnung und brachte ihr Holzund Lebensmittel. Die Frau lebte nun ganz der Gottesverehrung, und kein Krankeroder sonst Unglücklicher kam zu ihr, den sie nicht heilte oder tröstete, so daß alle Leutefür sie beteten und den Segen des Himmels für sie erflehten. Nun bekam durch GottesNichterspruch der Bruder des Khadi, der sie hatte steinigen lassen, einen Krebs imGesichte; die Frau, welche sie wegen des geschlachteten Kindes geschlagen hatte, wardaussätzig, und der Gauner, der sie hatte verführen wollen und statt ihrer das Kindgeschlachtet hatte, ward lahm. Da die Frau durch ihre Frömmigkeit und die Wunder,die sie vollbracht, weit und breit berühmt und von allen Thcilen des Landes her besuchtward, sagte der Khadi, der inzwischen von seiner Wallfahrt zurückgekehrt war und mitBedauern von dem Verbrechen und der Strafe seiner Frau gehört hatte, zu seinemBruder:Warum gehst du nicht auch zur frommen Frau in die Hütte? Vielleicht wirddich Gott durch sic heilen." Da bat er den Khadi, ihn zu ihr zu bringen. Auch derGatte der aussätzigen Frau hörte bald von der frommen Frau sprechen und führte seineGattin zu ihr. Der Gauner endlich begab sich auch zur Hütte, um sich heilen zu lassen,und so trafen Alle zusammen vor der Thüre ihrer Hütte; sie konnte Alle sehen, ohnevon ihnen gesehen zu werden, und sobald sie an die Thüre kam, erkannte sie ihrenGatten, dessen Bruder, den Gauner und die ungerechte Frau, und sagte ihnen:Hoffetnicht, geheilt zu werden von mir, wenn ihr nicht zuerst alle eure Sünden bekennet, dennGott verzeiht nur Dem, der seine Sünden nicht verhehlt, und gewährt nur einemSolchen, was er begehrt. Da sagte der Khadi zu seinem Bruder:Bekehre dich zuGott und beharre nicht im Nebel, nur so wirst du gerettet."

Der Khadi ermahnte dann seinen Bruder noch durch folgende Verse:

Ein Tag wird kommen, wo Unterdrückte und Unterdrücker einander gegenüberstehen, und wo Gott die verborgensten Geheimnisse offenbaren wird. An jenemOrte werden die Sünder gedcmüthigt werde», während Gott Die erheben wird,die ihm gehorsam waren. Wehe Denen, die den Herr» erzürnen, als wüßte»sic von Gottes Strafe nichts. Da hört alle Täuschung auf und bleibt nichts,als Ergebung in Gottes Willen."