100 Sicbcichimdert und »cu»undsii»szij>ste Nacht.
ftp Gott, der dich zu mir gesandt; ich erwarte deine Ankunft schon seit langer Zeit mitvieler Sehnsucht." — „Wenn du vorher irgend ein Geschäft zu verrichten hast, so thuees." — „Ich kenne kein wichtigeres Geschäft, als meinem Herr» zu begegnen," —„Wie soll ich deine Seele holen? denn Gott hat mir befohlen, ich möchte dir die Wahllassen." — „So warte, bis ich mich wasche und bete, dann tödte mich beim Nicder-fallcn." Der Mann wusch sich nun und betete, und als er betend niederfiel, nahm derEngel seine Seele und brachte sie an den Ort des Erbarmens, der Verzeihung und derSeligkeit.
Ebenso wird erzählt: Ein gewisser König sammelte einst unzählbare Schätze undschaffte sich Alles in der Welt an, was zu seinem Vergnügen und seiner Bequemlichkeitdienen konnte; er ließ sich ein großes, hohes Schloß bauen, wie es die mächtigstenSultane nur halten, mit zwei festen Thoren, die von vielen Dienern und Soldatenund Pförtnern bewacht wurden. Eines Tages befahl er seinem Koch, eine Mahlzeitvon den ausgesuchtesten Speisen zuzubercitcn, und lud alle seine Freunde, seine ganzeFamilie und viele seiner Beamten dazu ein. Als er bei der Mahlzeit auf seinemköniglichen Sopha an ein Kissen gelehnt ganz stolz da saß, sagte er zu sich selbst: Duhast dir alle Annehmlichkeiten der Welt verschafft, jetzt genieße sie auch und freue dichdeS Lebens und des Glücks, um das du dich^so lange bemüht. Kaum hatte er dieses ^Selbstgespräch geendet, als ei» Mann in zerrissenen Kleidern, mit einem Bcttelsacke amHalse hängend, so stark an die Thüre des Schlosses klopfte, daß das ganze Schloßzitterte und der Thron des Königs wankte. Die Diener liefen erschrocken zur Thüre ^und riefen dem Klopfenden zu: „Wehe dir! was ist das für eine Ungezogenheit undFrechheit? Warte, bis der König gespeist hat, dann wird man dir etwas geben vondem, was übrig bleibt." Der Fremde sagte zu den Dienern: „Saget eucrm Herrn, ersoll zu mir hcrauskommcn, ich habe ihm etwas sehr Wichtiges mitzutheilen." Die»Diener versetzten: „Wer bist du, Elender, daß du den König zu dir Hinausbitten läßt?"
Er erwiderte: „Sagt ihm nur, was ich euch aufgelragen." Sie gingen nun zu ihremHerrn und meldeten es ihm. Da sagte der König: „Habt ihr ihn nicht angcschrien undsortgejagt?" Während aber der König dies sagte, klopfte es noch einmal an die Thüre,heftiger als zum ersten Male. Die Diener sprangen auf die Thüre zu mit Stöcken und >
Waffen, um den Klopfenden zu schlagen. Aber er schrie sie an: „Bleibt an eurer Stelle!
Ich bi» der Todescngcl." Da zitterte ihr Herz, ihr Verstand und ihr Muth verließ
sie und sie konnten vor Angst kein Glied mehr bewegen. Der König rief ihm zu:
„Tödte jetzt einen Andern statt meiner!" Aber der Todcöengel erwiderte: „Ich bin nur