Druckschrift 
4 (1841)
Entstehung
Seite
94
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94 Siebenhundert und stebenundsünfzigste Nacht.

Fremde nicht von der Stelle. Schon hatten die Einwohner des Fleckens beschlossen,ihn zu tödtcn, als mir Kunde davon ward. Ich ging sogleich zu ihm und fand ihnauf die Erde hingestreckt; ich wischte das Blut von seinem Gesichte ab, trug ihn in'sKloster und pflegte seine Wunden vierzehn Tage lang. Sobald er dann wieder imStande war, zu gehen, verließ er das Kloster und setzte sich wieder vor die Thüre desBäckerladens, um die schöne Christin anzusehen. Als sie ihn wieder bemerkte, ging siezu ihm und sagte:Bei Gott, du hast mich gerührt; willst du meinen Glauben annehmen,so hcirathe ich dich." !

Der Jüngling antwortete:Bewahre mich Gott, daß ich den Monotheismus mitdem Polytheismus vertausche!" Da sagte sie:Komm mit mir in mein Haus, umarmemich und ziehe daun weiter mit deinem Glauben." Aber der Jüngling antwortete:Ichkann nicht zwölf Jahre der Tugend und Enthaltsamkeit für die Lust eines Augenblickshingeben."So verlasse mich denn," versetzte die Christin.Das vermagmein Herz nicht." Die Christin wendete sich wieder von ihm weg, und dieJungen des Fleckens kamen und warfen ihn mit Steinen, daß er auf sein Gesicht fielund rief:Gott, der den Koran vom Himmel gesandt, ist mein Herr, er läßt denFrommen nicht ohne Lohn." Als ich den Lärmen hörte, lief ich wieder aus dem Klosterzu dem Jünglinge, jagte die Buben fort und hob ihn von der Erde auf. Da hörte ich,wie er sagte:O Gott, vereinige mich mit ihr im Paradiese!" Ich wollte ihn dannin's Kloster tragen lassen, aber er starb, ehe er es erreichte. Da ließ ich vor demFlecken ein Grab bauen und beerdigte ihn dort. Um Mitternacht hörte man auf einmaldie Christin so laut schreie» in ihrem Beite, daß alle Bewohner des Fleckens sich zu ihrdrängten, um zu hören, was ihr zugckommen. Da erzählte sie:Als ich schlief, kamder Muselmann zu mir, der heute gestorben ist, und faßte meine Hand und führte michin's Paradies; als ich aber an die Pforte des Paradieses kam, ließ mich der Wächternicht hinein, indem er sagte: Das Paradies bleibt den Abtrünnigen verschlossen. Dabekehrte ich mich vor ihm zum JslamismuS und ging mit ihm hinein; hier sah ichPaläste und Gärten, so schön, daß ich sie euch nicht beschreiben kann. Endlich führteer mich in einen großen Palast und sagte: Dieser Palast von Edelsteinen ist für »nsbestimmt, ich werde nicht eher hincingehen, bis du bei mir bist, und so Gott will, wirddies in fünf Tagen geschehen. Dann streckte er die Hand nach einem Baume ans, dervor der Thüre des Palastes stand, pflückte zwei Aepfel von demselben und sagte: deneinen und bewahre den andern für den Prior des Klosters auf. Ich den einen undfand ihn so schmackhaft wie ich noch keinen gegessen. Sodann ergriff er wieder meine