Z8 Sit'bcllhuiidert und eiliundvicrzigste Uacht.
Geschichte des Arabers mit den Bohnen.
Unter Andern, wird anch erzählt: Als Harun Arraschid den Barmekiden
Djafar hängen ließ, befahl er, daß, wer ihn betraure und beweine, auch gehängtwerden sollte, so daß es natürlich ein Jeder unterließ. Eines Tages kam ein Araberaus entfernter Wüste, der jedes Jahr Djafar ein Gedicht überreichte, für welches ertausend Dinare erhielt, womit er und seine Familie das ganze Jahr lebte. Sobald er-hörte, daß Djafar gehängt worden, ging er auf den Hinrichtungsplatz, ließ dort seinKameel »iederknien, seufzte und weinte laut und recitirte sein Gedicht; dann schlief erein und sah Djafar im Traume, der ihm sagte: „Du hast meinetwillen diese mühsymeReise unternommen und findest mich nun, wie du siehst; doch geh nach Baßra,frage nach dem Kaufmanne N. N. und sage ihm, Djafar der Barmekide läßt ihngrüßen und bei den Bohnen beschwören, dir tausend Dinare zu geben." Der Arabermachte sich sogleich auf den Weg nach Baßra, suchte den Kaufmann auf und trug ihmDjafars Bitte vor. Der Kaufmann weinte so heftig, daß er beinahe sein Lebenausgab, nahm den Araber mit Auszeichnung auf, bewirthete ihn drei Tage lang undgab ihm am vierten Tage fünfzehnhundert Dinare, indem er ihm sagte: „Du erhältsttausend Dinare nach Djafars Befehl und fünfhundert als Geschenk von mir." Auchhieß er ihn jedes Jahr wiederkehren, um tausend Dinare in Empfang zu nehmen. DerAraber beschwor den Kaufmann: er möchte ihm doch sagen, was Djafar mit denBohnen meinte. Da sagte der Kaufmann: „Ich war früher ein armer Bohnenhändler.Einst ging ich an einem kalten Tage auf dem Markte mit meinen Bohnen umher;meine Kleidung war so schlecht, daß sie mich weder gegen die Kälte, noch gegen denRegen schützte. Ich zitterte vor Frost und fiel einige Male auf den nassen Boden. Diesbemerkte Djafar und bemitleidete meinen schauerlichen Zustand, ließ mich zu sich rufenund sagte mir: „Verkaufe meinem Gefolge diese Bohnen." Ich holte mein Maß herbei,und so wie ich Bohnen hergab, füllte Djafar mein Maß mit Gold, bis ich stattmeiner Bohnen einen großen Bündel Gold hatte. Zuletzt fragte Djafar: „Hast dunichts mehr?" Ich suchte im Korbe und fand nur noch eine Bohne. Djafar nahmsie, theilte sie in zwei Hälften, ging damit in seinen Harem und sagte: „Wer willdiese halbe Bohne kaufen?" Eine seiner Frauen sagte: „Ich, für den Bündel Gold,den der Mann trägt." - „Nun," sagte Djafar, „ich behalte die andere Hälfte für