Siebenhundert und ernunddreißigjle Nacht. H
Kaufmann nahm dem Diebe eine ihm dargercichte Arznei ab und trank sie des Abends,obschon sie sehr bitter war. Am andern Abend brachte ihm der Dieb wieder eineArznei, noch bitterer als die erste; doch der Kaufmann ließ sich nicht vom schlechtenGeschmacke abschreckcn. Als der Dieb nun sah, daß der Kaufmann ihm vertrante undAlles trank, was er ihm überreichte, holte er am dritten Tage Gift und überreichte esdem Kaufmanne, der noch in derselben Nacht daran starb. Der Dieb kam nun mitseinen Gesellen herbei und trug Alles davon, was er besaß.
„Ich erzählte dir dies, o König," sagte die Schöne, „damit du dich nicht bethörenlassest von Leuten, die dich hintergehen wollen." Der König erwiderte: „Du hast Recht,ich werde morgen wieder nicht zu meinen Vizieren gehen." Als daher des Morgensdie Leute wieder vergebens den König erwarteten, gingen sie zu Schimaö und sagtenihm: „Du siehst, o weiser Herr, daß cs der König immer schlimmer macht, drum gehund sage ihm, daß, wenn er sich nicht bessert, das Wohl des Reichs es erfordert, daßwir ihn des Thrones verlustig erklären. Wir werden morgen mit unser» Waffen vorseinem Schlosse erscheinen, und kommt er nicht heraus, so erstürmen wir es, bringenihn um und ernennen einen andern König; er mag dann nur sich selbst anklagen."Schimas ging zum König und sagte ihm: „Was bewegt dich, gegen unsere Verträgezu handeln und so dir selbst zu schaden? Was verwandelt deine Klugheit in Thorheit,deine Aufrichtigkeit iu Lüge, deine Treue in Treulosigkeit? Warum folgst du meinemRathe nicht, wie dein Vater dir befohlen? Erwache doch, ehe das Unheil zu großwird; wie willst du allen deinen Gegnern entkommen, die beschlossen haben, dich zutödten und einen andern König zu ernennen? Verschmähe deine Untcrthancn nicht,denn wenn auch Steine noch so lange im Wasser liegen, springt doch Feuer heraus,wenn man sie aneinander reibt; befürchte, daß es dir gehe mit deinem Volke, wie dem
Fuchse, Wolfe und Löwen.
Einst zog nämlich eine Heerde Füchse aus, um etwas zu essen zu suchen. Als sieein todtes Kamcel fanden, sagte einer von ihnen: „Nun haben wir auf einen Monatzu leben; doch wollen wir uns einen Obersten wählen, der dafür wache, daß dasKameel gleich vertheilt werde und der Schwächere nicht zu kurz komme." Während siedarüber sich besprachen, kam ein Wolf herbei, und einer der Füchse sagte: „Hier ist einWolf; wir wollen ihn zu unserm Oberhaupte erwählen, denn er ist stark und mächtig,