Sprachen, deren Bildungsprinzip wesentlich analogist, glauben wir uns als benachbart denken zu müssen,ln ähnlicher Weise, wie die Sprachen, zeigen ja auchdie Floren und Faunen der einzelnen Welttheileeinen ihnen eigenthümlichen Typus.
In historischer Zeit sehen wir nun fort und fortsprachliche Arten und Gattungen untergehen undandere sich auf ihre Kosten ausbreiten. Ich erinnerebeispielsweise nur an die Ausbreitung der indogerma-nischen Sippe und den Untergang der amerikanischenSprachen. In der Vorzeit, als die Sprachen noch vonverhältnissmässig schwachen Bevölkerungen gesprochenwurden, mag das Aussterben sprachlicher Formenin ungleich höherem Grade stattgefunden haben. Danun die höher organisierten Sprachen, wie z.B. die indo-germanische, bereits sehr lange existieren müssen, wiediess aus ihrer hohen Entwickelung und aus ihrerjetzigen, bereits schon ausgesprochen senilen Formund der im Ganzen langsamen Veränderung der Spra-chen sich ergiebt, so folgt, dass die vorgeschichtlicheLehensperiode der Sprachen eine viel längere gewesensein muss, als die innerhalb der geschichtlichen Zeitfallende. Kennen wir ja doch die Sprache erst vonder Zeit an, da die sie redenden Völker sich der Schriftbedienten. Wir haben also für jene Vorgänge desVerschwindens sprachlicher Organismen und der Stö-rung der ursprünglichen Verhältnisse überhaupt einensehr langen Zeitraum, eine Zeit von vielleicht mehrerenZehntausenden von Jahren vorauszusetzen. 1 ) In diesemlangen Zeiträume giengen höchst wahrscheinlich viel
*) Vgl. Deutsche Sprache S. 41 flg.