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Die Darwinsche Theorie und die Sprachwissenschaft : offenes Sendschreiben an Herrn Dr. Ernst Haeckel
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ihr eigentliches Wesen; wir kennen sie nur dann, wennwir die Summe dieser Veränderungen, wenn wir ihrganzes Wesen kennen. Mit andern Worten: wenn wirnicht wissen, wie etwas geworden ist, so kennen wires nicht. Nothwendige Folge der Beobachtungsgrund-lage ist die Bedeutung, welche die Entwickelungs-geschichte und die wissenschaftliche Erkenntniss desLebens der Organismen überhaupt für die Naturwissen-schaft unserer Tage erlangt hat.

Die Wichtigkeit der Entwickelungsgeschichte fürdie Erkenntniss des individuellen Organismus ist wider-spruchslos anerkannt. Zuerst fand die Entwickelungs-geschichte Eingang hei der Zoologie und Botanik. Lyellhat bekanntlich auch das Leben unseres Planeten alseine Reihe ganz allmählich verlaufender Veränderungendargestellt; ein ruckweises, plötzliches Eintreten neuerLehensphasen linde hier eben so wenig statt, als imLehen anderer Natur Organismen. Auch Lyell beruft sichvor allem auf die Beobachtung. Da die Beobachtungdes allerdings nur sehr kurzen Zeitraumes des jüngstenErdenlebens nur ein allmähliches Verändern ergibt, sohaben wir durchaus kein Recht für die Vergangenheiteine andere Art des Lebensverlaufes vorauszusetzen.Von derselben Ansicht ging ich von je her bei der Be-trachtung des Lebens der Sprachen aus, Avelches eben-falls nur in seinen für uns letzten und jüngsten, ver-hältnissmässig sehr kurzen Perioden innerhalb der un-mittelbaren Beobachtung fällt. Diese kui’ze Zeit voneinigen Jahrtausenden lehrt uns mit unumstösslicherGewissheit, dass das Leben der Sprachorganismen über-haupt nach bestimmten Gesetzen in ganz allmählichen