Druckschrift 
Der Nonne von Engelthal Büchlein von der Genaden Uberlast
Entstehung
Seite
49
Einzelbild herunterladen
 

49

so enges verwandtschaftliches Verhältnis, eine seltene und fastbefremdliche objectivität. Von dieser Diemut wird erzählt: Vor irmtod siben Wochen ward sie entzuket an einem tag, daz man wont,sie wolt sterben. Da si do zu ir selber kom, da sprach sie zu irsbruder tohter etc. (64, 2 ff.) also zu eben der Christina die wirfür die verfaßerin unseres hüchleins halten sollen: diese stelle machtdoch wahrlich nicht den eindruck, als oh die schreiberin von sichselbst rede. Noch kommt eines hinzu, was beachtung verdient. Wirlesen auf dem ersten blatte: Nu wolt ich gern schreiben .... sohan ich laider deinen sin und kan dar zu der schrift niht, wannedaz ich zu disen dingen mit der gehorsam hetwungen hin. Alsoauf befehl wurden unsere blätter geschrieben, auf befehl einer priorinohne zweifei, da eine solche doch wohl die einzige person war, derdie schreiberin zu gehorsam verpflichtet war. Wenn nun Christinaauch nur die auftraggeberin gewesen wäre, so bliebe doch immernoch die art wie dann von ihr geredet würde, auffällig genug. Esscheint also trotz der worte des epilogs eine gewisse reserve ge-boten, und haben wir es deshalb unterlaßen, die Christina directauf dem titel als verfaßerin zu nennen.

Uebrigens war Christina Ebnerin mehrfach als Schriftstellerinthätig: sie schrieb eine autobiographie und ein buch von Offenba-rungen (Heumann p. 333; einzelne beispiele aus diesen beidenSchriften ib. 336 ff. 344 ff.); gewis ein beweis, daß die oben er-wähnten worte von dem nicbtkönnen der schrift auf sie nicht be-zogen werden dürfen. Es ist auch ein anderer geist, der aus denWorten der Christina redet: nichts von der naivetät die in unserembüchlein waltet, vielmehr etwas höheres, bewußtes, gelehrtes, darumaber auch weniger anziehend; Christina stand in beziehungen zuTauler und kümmerte sich um die Welthandel, wie z. B. um dieirrungen zwischen Ludwig dem Baiern und papst Johann XXII. Dieunserer handschrift angehängte nachsclirift könnte also leicht eigent-lich für die biographie der Ebnerin berechnet gewesen sein, undwürde demnach das büchlein von den gütlichen genaden auf dieerwähnten Offenbarungen zu beziehen sein.

Haben wir unsere aufzeichnungen im bisherigen sachlich kurzzu würdigen versucht, so mögen noch einige sprachliche bemerkungenhier ihren platz finden. Im allgemeinen auf dem gründe der bai-rischen mundart beruhend, aber starken ein Wirkungen des Mittel-Engelthal. 4