>
>
«»dreißigste H
MEZ
Nachdem Jeder wieder seinen Platz eingenommen und die Mädchen die neu angc-kommenen Gäste vielmal bewillkommt statten, sagten sie ihnen: „Wir können euch nurunter der Bedingung als unsre Gäste aufnchmen, daß ihr wie Menschen mit Augenostne Zunge scpn wollt, ihr dürft nach nichts fragen, was istr auch festen mögct, vonnichts sprechen, was euch nichts angeht, sonst möchtet istr stören, was euch mißfällt."Die vornehmen Gäste nahmen diese Bedingung an und versprachen kein unnöthigcs Wortzu reden; sie mußten dann am Mahle Tsteil nehme» und wie die Ucbrigen mitzechcn.Mit Erstaunen betrachtete der Chalif zuerst die drei halbblinden Kalender, dann bewun-derte er die Schönheit, die Liebenswürdigkeit und Grazie dieser Mädchen nicht minder,als ihren Anstand, ihre Beredtsamkeit und Freigebigkeit, der Saal in welchem sie waren,erregte seine gleiche Bewunderung, doch wagte er es nicht, sich näher nach den Mädchenzu erkundigen. Er unterhielt sich mit den Ucbrigen; das Gespräch ward immer lebhafter,die Kalender spielten lustige Weisen und der Becher ging von Einem zum Andern. Nacheiner Weile sagte die Hausherrin ihren Schwestern: „Erhebet euch jezt, wir dürfen dieuns aufcrlegte Arbeit nicht versäumen." Die Pförtnerin stand rasch auf, reinigte denSaal und besprengte ihn mit frischen Wohlgcrüchen; sie hieß die Kalender an einerSeite des Saals auf einem Sofa Platz ckehmen, den Chalifen mit seinen Begleitern bat sie,auf die andere Seite, jenen gegenüber 'sich zu setzen, dem Träger aber rief sie zu: „Auf,du träger Mensch! gehörst du nicht zum Hause? Hilf uns bei unsrer Arbeit!"
„ Was soll ich thun? " erwiderte der Träger. Da öffnete die Wirthschafterin ein Neben-zimmer und sagte zu ihm: „Komm, hilf mir!" Er mußte hierauf eine Bank mitten ins Zim-mer stellen und zwei schwarze ganz wundgeschlagene Hündinnen herausführen, deren Hals voneiner Kette umschlungen war. Als er mit ihnen mitten im Zimmer war, nahm die schöneHausherrin eine geflochtene Peitsche, entblöste ihren blendend weißen Arm und ließ sichvom Träger eine der Hündinnen vorführen. Die Hündin fing an zu heulen und denKopf zu schütteln, so daß der Träger sic mit Gewalt zu seiner Herrin hinschlcppcn mußte.