W r e i ß i g st e N a ch t.
In der folgenden Nacht fuhr Schehersad zu erzählen fort:
Als die Zauberin ihren Vetter geschlagen, bis sie müde war und das Blut vonseinen Seiten herabfloß, kleidete sie ihn in ein härenes Kleid, legte ein linnenes darüberund ging dann zum Sklaven. Sie nahm, wie gewöhnlich, Wein und Fleischbrühe mit,und als sie unter die Kuppel trat, fing sie an zu weinen und zu schreien: „O Geliebter,es war doch sonst deine Gewohnheit nicht, mir deine Nähe zu versagen; o stoße michnicht länger zurück! besuche mich wieder, denn dein Besuch gibt mir Leben. O nahe dichmir! die Trennung ist doch nicht in deiner Gewohnheit: o mein Herr sprich mit mir!"Sie fügte diesen Klagen dann noch folgende Verse hinzu:
„O mein Einziger! wie lange noch diese Zurückhaltung? diese Pein?habe ich noch nicht genug Thränen vergossen?"
„O mein Geliebter! sprich doch mit mir! sage mir doch etwas! o meine Seele, ant-worte mir doch!"
Da sprach der König mit schwerer Zunge und tiefer Stimme, so wie die Schwarzenreden: „Ach! ach! ach! es gibt keinen Schutz und keine Macht, außer bei dem erhabenenGotte." Als sie ihn sprechen hörte, freute sie sich so sehr, daß sie in Ohnmacht fiel;als sie wieder zu sich gekommen, sprach sie: „O mein Herr! hast du wirklich mit mir