Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
147
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A ch t u n d z iu a n z i g ft r Nacht. 147

Zimmer bauen ließest, damit ich darin allein trauern könnte, ich würde es das Traucr-gebäude nennen. Ich sagte ihr wieder:Thue, was dir gut dünkt!" Jezt ertheilte siesogleich Befehle, ließ sich das Trauerhaus bauen und in dessen Mitte eine Kuppel errich-ten. Den Sklaven aber brachte sie in die Grabeshöhle. Diesem war nicht mehr zuhelfen. Er lebte zwar, denn seine Zeit war noch nicht abgelaufen, auch konnte er nochtrinken, aber vom Tage an, wo ich ihn verwundet hatte, nicht mehr sprechen. MeineFrau besuchte ihn nun Morgens und Abends, und weinte und brachte ihm Wein undFleischsuppen. So verging ein ganzes Jahr, in welchem ich alles dieses mit Geduldertrug. Nach diesem Jahre ging ich ihr einmal nach, ohne daß sie es merkte; ich hörte,wie sie weinte und sagte:O mein Geliebter! o mein Herz! Warum muß ich das vondeiner Liebe erfahren? warum sicht dich mein Auge nicht immer und warum in einemsolchen Zustande? Warum sprichst du nicht mit mir, o sage mir doch etwas!" Dann fügtesie noch folgende Verse hinzu:

Der Tag der Sorglosigkeit ist der, an welchem ich Eure Nähe gewonnen,der Tag des Unheils der, an welchem Ihr Euch von mir trennt. Wennich in der größte» Angst und Furcht übernachte, so ist mir Eure Nähe dochsüßer als die gewisseste Sicherheit."

Lebte ich im schönsten Wohlbehagen, und besäße ich die ganze Welt,das Reich der Chosrocn, so würde ich es doch nicht so hoch, als den Flügeleiner Mücke anschlagen, wenn mein Auge dich nicht sähe."

Als sie dies vollendet hatte, sagte ich zu ihr:Muhme, höre doch einmal auf zutrauern! du hast genug vergebens geweint." Sie antwortete mir:Widersetze dich meinemWillen nicht, sonst bringe ich mich um." Ich schwieg und überließ sic ihrem Zustande; sieaber fuhr wieder ein Jahr fort zu trauern und zu weinen. Nach dem dritten Jahre, aneinem Tage, wo ich gerade eines unangenehmen Ereignisses willen im Zorne war, gingich ihr wieder nach, denn nun dauerte mir diese Qual doch zu lange; ich fand sie beider Grabeshöhle unter der Kuppel, und hörte, wie sie sagte:Werde ich denn, o meinHerr, kein einziges Wort mehr von dir vernehmen? nun gibst du mir schon drei Jahrekeine Antwort." Dann vernahm ich folgende Verse von ihr: