Fünfundzwanzig st e Nacht.
Das Schloß hatte nur eine Thüre, welche geschlossen war. Der König freute sichund klopfte leise, hörte aber keine Antwort; er klopfte noch einmal, etwas stärker, hörtewieder nichts, und erblickte auch Niemanden. Da dachte er, ohne Zweifel ist diesesSchloß unbewohnt; er machte sich dann Muth, ging zur Thüre hinein in einen Gangund schrie: „O Bewohner des Schlosses! hier ist ein fremder, bittender und hungrigerReisender; habt ihr wohl etwas Lebensmittel? der Herr aller Sklaven wird euch reichlichdafür belohnen." Er wiederholte dies zum zweiten und drittenmale, hörte aber keineAntwort. Dann faßte er stärkern Muth, schritt durch den Gang ins Innere des Schlosses,drehte sich rechts und links um und sah Niemand.
Der Sultan sah Niemand, bemerkte aber, daß das Schloß mit seidnen Teppichenworauf goldne Sterne gestickt, bedeckt war, er sah auch schöue Vorhänge und Polster undSophas. Mitten im Saale war ein großer Raum, rings herum Diwans und Nischenund Nebenzimmer; auch war ein Springbrunnen da mit vier goldnen Löwen, die ausdem Rachen Wasser spieen, das so klar wie Perlen und Edelsteine war. Es flogenallerlei Vögel im Saale herum, die ein goldnes Netz nicht entwischen ließ. Der Königwar sehr erstaunt, Niemand hier zu finden, den er ausfragen konnte; er sezte sich aufdie Seite/des Saals und hörte dann eine seufzende Stimme aus traurigem Herzen,welche sang: