Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
140
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1^0 F il n s u » d z NI a n z i g st e Nacht.

O Schicksal, laß mich nicht länger leben und verschone mich nichtmehr; mein Leben schwebt ja zwischen Qual und Gefahr. Habt ihr nichtMitleid mit einem Großen seines Volks, der im Bunde der Liebe erniedrigtwurde, mit dem Reichsten unter seinem Volke der Verarmte? Ich ward vonder Luft beneidet, die euch anwehte, aber wo das Schicksal niederfällt, daverdunkelt sich das Gesicht. Was nüzt die Kunst des Schützen, wenn er auchdem Feinde begegnet, die Senne aber in dem Augenblick zerreißt, da er denPfeil schleudern will? wenn dann ganze Schaaren sich um den Tapfern häu-fen, wie sollte er dem Schicksale entfliehen? wie entfliehen?

Als der König diese Verse und ein lautes Weinen gehört, ging er der Stimmenach uiid fand einen Vorhang an der Thüre eines Zimmers hängen, hob ihn auf undsah darin einen Jüngling, auf einem eine Elle hohen Throne sitzend. Er war ein

hübscher Jüngling von regelmäßigem Wüchse, klarer Sprache, leuchtender Stirne, frischenHaarlocken, rothen Wangen, darauf hatte er ein Fleckchen wie Ambra, gleichwie derDichter sagte:

Er war hübsch gewachsen, durch seine Haare und seine Stirne wandeltedie Welt zugleich in Licht und Dunkelheit. Verleugnet nicht das brauneFleckchen auf seiner Wange, denn auch die Anemone hat ein solches."

Der König freute sich und grüßte den Jüngling, der einen seidnen Mantel mit

goldnen ägyptischen Stickereien an hatte, auf seinem Haupte trug er eine ägyptische Krone.Man merkte ihm aber an, daß er traurig war und geweint hatte; er erwiderte freund-lich des Königs Gruß und sagte:Du verdienst mehr, als daß ich vor dir aufstehe,

drum entschuldige mich."Ich entschuldige dich, o Jüngling!" sprach der Sultan,ich bin hier dein Gast und komme in einer wichtigen Angelegenheit zu dir. Du sollstmir nämlich über den See und die farbigen Fische Auskunft geben, über dieses Schloß,das du allein bewohnst, ohne daß dir Jemand Gesellschaft leistet, so wie auch über dieUrsache deines Weinens." Als der Jüngling dies hörte, flössen seine Thränen auf seineWangen und überschwemmten seine Brust, er sprach dann folgende Verse:

Sogt bcnen, die vom Schicksale mißhandelt worden, wie viele Unglücks-fälle hat es schon verbreitet! Wenn dn auch schläfst, so schläft das AugeGottes nicht, wem waren wohl die Zeiten immer günstig? wem dauertedie Welt ewig?"