Zwanzigste Hach t. 12!)
umbringen, sonst wird Gott auch dich tödten! laß mich leben und Gott wird auch dicherhalten." Dann sprach er folgende Verse:
„Ich habe einen Nath crthcilt, und dafür Treulosigkeit geerntet, meinRath hat mich in die Wohnnng der Verachtung gebracht. Bleibe ich leben,so will ich nie mehr einen Nath crtheilcn, sterbe ich, so möge jedem Rath-gcbcr von allen Menschen geflucht werden."
Dann sagte er noch: „Ist das mein Lohn? du belohnst mich wie das Krokodil!."Der König fragte: „Was ist das für eine Geschichte mit dem Krokodill?" — „Ich kanndir sie jczt nicht erzählen," erwiderte der Arzt, „doch läßt du mich leben, so wird Gottauch dich erhalten, tödtest du mich, so wird Gott'dich auch tödten." Der Arzt weintesehr; einige Vertraute des Königs standen auf und sprachen: „Verzeihe ihm, uns zu Liebe,sein Verbrechen, wenn er ein solches begangen! Wir haben übrigens nichts von ihm ge-sehen, das eine solche Strafe verdiente." Aber der König antwortete ihnen: „Ihr wißtnicht, warum ich ihn umbringcn lasse. Ich sage euch, daß wenn ich ihn verschone, ichgewiß selbst untergehe, wer mich durch ein äußeres Anfassen von einem Nebel heilte, andem alle Aerzte verzweifelten, kann mich auch etwas anfassen lassen, wovon ich sterbe,ich muß ihn also tödten lassen, um sicher vor ihm zu scyn." Der Arzt flehte noch ein-mal: „Ich beschwöre dich bei Gott, laß mich leben!" Aber der König blieb dabei, ihntödten zu lassen.
Als der Arzt nun seinen Tod mit Gewißheit sah, sagte er: „O König! verschiebenur meinen Tod, bis ich nach Hause gegangen, um anzuordnen, wie man mich beerdigensolle, Allmoscn vcrtheile, Geschenke mache, unter meinen Kindern ihr Erbe verthcile,meiner Frau ihr Bestimmtes gebe, und meine Bücher Leuten schenke, die sie verdienen.Auch habe ich ein höchst ausgezeichnetes Buch, das ich dir schenken will, verwahre cs !wohl in deinem Schatze." — „Und worin besteht der Werth dieses Buchs?" fragte der !König. „Es enthält unzählbare Geheimnisse. Das erste ist: wenn du mich hast umbringcnlassen und das sechste Blatt öffnest und drei Zeilen von der rechten Seite liest und mich !ansprichst, so wird mein Kopf auf alle deine Fragen antworten können." Der König warsehr erstaunt und sagte: „Das ist höchst sonderbar, dein Kopf wird mit mir reden, wennich das Buch öffne und drei Zeilen darin lese?" Er gab ihm dann sogleich Erlaubniß, nachHause zu gehen. Der Arzt that dieses, verrichtete sein Geschäft bis zum andern Tage,dann kam er wieder in den Palast, wo die Fürsten, Vesire, Adjutanten und sonstigen !Großen des Reichs alle versammelt waren. Der Arzt Duban kam mit einem altenBuche und einem Schächtclchcn mit Pulver, er sezte sich und forderte eine Schüssel. Als
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