128 Zwanzigste Nacht.
etwas bat, kamst du, fern von allen Ausreden und Entschuldigungen, mirmit deiner Gnade zuvor. Warum sollte ich dich nicht, wie du es verdienst,loben, und deine Huld, so wie ich sie im Herzen fühle, öffentlich verkünden?
Ich will die Wohlthaten, die du an mir ansgeübt, preisen, meine Sorgensind dadurch leicht geworden, wenn sie auch meinen Rücken beschwert haben
„Weißt du, o Arzt, warum ich dich hieher rufen ließ?" — „Nein, o König,"antwortete der Arzt. — „Nun," sagte der König, „ich ließ dich rufen, um dich zutödten." Der Arzt fragte ganz erstaunt: „Warum? was habe ich verbrochen?" —„Ich habe gehört," sagte der König, „du sepst ein Spion, und hieher gekommen, ummich zu tödten, darum will ich dir zuvorkommen, che deine List gegen mich gelingt."Hierauf schrie er sogleich dem Scharfrichter zu: „Schlage diesem Arzte den Kopf ab undschaffe uns Ruhe vor den bösen Folgen, die er für uns haben könnte."
ES sagt nun weiter der Erzähler: als der Arzt dies hörte, wußte er, daß er schonwegen der Gunst des Königs beneidet worden, daß man sich gegen ihn verschworen undihn verläumdct habe, um durch seinen Tod sich vor ihm Ruhe zu schaffen; er sah auch,daß der König wenig Verstand und Geist habe, er bekam Reue, als ihm nichts mehrhelfen wollte, und er sprach: „Es gibt keinen Schutz und keine Macht, außer bei demerhabenen Gotte! Ich habe etwas Gutes gcthan und es wird mit Bösem vergolten!" Wäh-rend er dies dachte, sagte der König noch einmal: „Schlage ihm sogleich den Kopfab!" Da sprach der Arzt: „Laß mich leben, Gott wird auch dich erhalten, bring michnicht um, sonst wird Gott auch dich tödten!"
Er wiederholte dann dasselbe, wie ich es bei dir that, o Geist! und du weigertestdich doch, und wolltest mich umbringen.
Der König sagte hierauf zum Arzte Dub an: „Ich muß dich umbringen lassen, dennda du mich durch ein bloßes Anfassen geheilt, so kannst du mich auch leicht auf solche Artnoch tödten." — Da sprach der Arzt: „Ist das mein Lohn, o König, willst du das Gute mitBösem vergelten?" — „Nur nicht lange gezaudert, du mußt heute noch ohne Aufschubumgebracht werden." — Als der Arzt sah, daß es Ernst wurde, war er sehr betrübt,seufzte und weinte und machte sich Vorwürfe, Leuten, die cs nicht verdienten, Guteserzeigt, und auf einen schlechten Boden Samen gestreut zu haben. Da kam der Scharf-richter herbei und verband ihm die Augen, fesselte ihm die Hände und zog sein Schwert.Der Arzt jammerte immerfort und sagte: „Bei Gott, o König, lasse mich nicht
' Durch die Last der erhaltenen Geschenke nämlich.