Zwanzigste U a ch t. 127
Prinz ging ihr nach und siehe da, es war auf einmal ein Währwolf', der zu seinenJungen sagte: ich habe euch einen schönen fetten Jüngling gebracht, und sie antwortetendarauf: bring' ihn uns herein, o Mutter, daß wir uns an seinem Fleische weiden.
Es sagt der Erzähler: Als nun der Prinz dies hörte, fürchtete er sich sehr, seineAchseln bebten, er war für sein Leben besorgt und verließ schnell den Ort, aber derWährwolf ging ihm nach und fragte ihn: was fürchtest du? der Prinz beschrieb ihm hieraufseine Lage und sagte: ich habe mich verirrt, man hat mir Unrecht gethan; jener antworteteihm: fasse nur Muth, fürchte nichts! Der Jüngling erhob dann seine Augen zum Himmelund sagte: o Gott! hilf mir gegen meinen Feind, du bist ja allmächtig.
Als der Währwolf dies Gebet hörte, lief er davon und der Prinz konnte unbeschädigtzu seinem Vater zurückkehren, auch erzählte er diesem Alles, was ihm widerfahren, und daßder Vesir ihn geheißen, dem Wilde ^nachzujagen und dann zurückgeblieben sey, so daßihm dann das Abenteuer mit dem Währwolfe begegnet. Der König ließ sogleich denVesir rufen und hinrichten. „Eben so du, o König! Sobald der Arzt hierher gekommenwar, hattest du ihm viel Gutes erzeigt und dich ihm genähert, jezt geht er damit um,dich zu tödten; denn wisse, o König, er ist ein Spion, der von einem entfernten Landezu deinem Untergange hieher gekommen ist. Hast du nicht erfahren, wie er deinen Körperdurch etwas, das er dir in die Hand gegeben, geheilt hat?" — „Das ist wahr, o Vesir,"sagte der König zornig. „Nun," versezte der Vesir, „es wäre leicht möglich, daß erdir etwas in die Hand gäbe, wovon du sterben müßtest." Der König antwortete wiederzornig: „Du hast ganz Recht, o Vesir, es ist so, wie du sagst! Er ist gekommen, michzu tödten, denn wer mich durch etwas heilen konnte, das ich in die Hand nahm, kannmich auch leicht durch irgend ein Gift auf solche Weise tödten. Aber," fügte er nochhinzu: „o du rathgebendcr Vesir, was soll ich nun mit ihm anfangen?" — „Schicke zuihm," antwortete der Vesir, „laß ihn Herkommen, und wenn er erscheint, so laß ihmden Kopf abschlagen, dann bist du mächtiger als er und hast deinen Zweck erreicht." —„Dies wird wohl das Beste sepn," sagte der König, „so kann's nicht fehlen." Er schicktesogleich zum Arzte Duban, welcher ganz freudig erschien, weil ihm der König so vieleGnade erwiesen und so schöne Geschenke gemacht, und sprach beim Hereintreten fol-gende Verse:
»Wenn ich nicht eine» Theil deiner Verdienste lobte, so sage mir, wemwürde ich wohl meine Verse und meine Prosa weihen? Noch che ich um
' Die Araber glaube», dieses dämonische Thier (arabisch giiuln genannt), könne, um die Menschenirre zu führen, jede Gestalt annchmcn.