Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
124
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1Z-I, Neunzehnte N a eh t.

einen Fremden mit gezücktem Dolch erblickte. Sie hielt ihn für einen Räuber, bat ihndringend, ihr das Leben zu lassen, und bot ihm einen köstlichen Schleier, der mit Perlenund edcln Steinen gestickt war. Mahmud nahm diesen Schleier und verließ eiligst denPalast des Vesirs.

Am folgenden Morgen verkleidete er sich wie ein Sofi, verbarg den geraubtenSchleier unter sein Gewand und trat vor den Kaiser von Persien.Mächtigster Herr-scher der Erde," redete er zu ihm,ich bin ein Geistlicher aus Chorasan; der Rufdeiner hohen Tugenden ist bis zu mir gedrungen, und ich habe mich aufgemacht nachdeiner herrlichen Hauptstadt, um unter dem Scepter eines so gerechten Fürsten zu leben.Als ich ans Thor kam, fand ich es verschlossen, und war so gezwungen, die Nacht vorder Stadt zuzubringcn. Ich legte mich auf den Boden zum Schlafen nieder, aber baldsah ich vier Weiber, die eine von ihnen ritt auf einer Hpäne, die zweite auf einemWidder, die dritte auf einer schwarzen Hündin und die vierte auf einem Leoparden. Ichsah gar bald, daß es Zauberinnen sepen; eine von ihnen nahte sich mir und trat michmit Füßen und schlng mich mit einer Geisel, deren Streiche furchtbar schmerzten. Ichrief laut mchremale den Namen des höchsten Gottes und mit einem Messer verwundeteich sie an der Hand, worauf sie mich losließ; doch fliehend ließ sie diesen kostbarenSchleier in meinen Händen, für mich hat er freilich keinen Werth, weil ich auf alleFreuden der Welt verzichtet habe."

Nach diesen Worten übergab Mahmud dem Kaiser von Persien den Schleier undging hinweg. Der Kaiser erkannte ihn alsbald, denn er hatte erst vor wenigen Tagenseinem Großvesir ein Geschenk damit gemacht; dieser ihn aber wiederum seiner Lieblings-sklavin gegeben.

Sie wurde nach dem Palaste geholt, und als man an ihrer Hand die Wunde ent-deckte, von der der Sofi gesprochen hatte, zweifelte man nicht an der Wahrheit seinerAussage. Hierauf ward sie als Zauberin verurtheilt, in einer Grube, deren steile Wändeihre Flucht unmöglich machten, zu verhungern. Kaum hatte Mahmud den glücklichenErfolg seiner List vernommen, so eilte er nach der Grube, in welcher seine Geliebte ge-fangen saß, und durch Ueberredung der Wächter, welchen er sein merkwürdiges Abenteuererzählte, gelang es ihm, sie zu befreien, doch nahmen sie ihm vorher das Versprechenab, auf der Stelle mit ihr aus dem Lande zu fliehen. Das that er und erfreute sich sodes Besitzes seiner Geliebten.