Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
115
Einzelbild herunterladen
 

5 i c b k » z c h n t c N n ch t. 115

Worte und sprach zu Hassan:Nimm, ich bitte dich, diesen Brief und trag ihn nachdem Bazar zum Wechsler Jakub und empfange, was er dir geben wird." Hassan gingeilig zu dem Wechsler. Sobald dieser den Brief erbrochen hatte, küßte er ihn, legte ihnauf sein Haupt und übergab Hassan einen Beutel mit fünfhundert Zechinen. Dieserwar ganz außer sich, noch nie hatte er eine so große Summe gesehen, und er bemerkteaus der Ehrfurcht, womit der Wechsler den Brief gelesen hatte, daß diejenige, die ihngeschrieben hatte, nicht von niedriger Herkunft sehn müsse.

Bei der Rückkunft in die Karavanserai legte er die Börse furchtsam vor seiner Ge-fährtin hin, welche wohl bemerkte, wie sehr ihn Neugier Plagte, zu wissen, wer sie sey.! Doch hielt sie es nicht für rathsam, cs ihm schon jczt zu entdecken, sondern sagte ihm

^ nur, er möge das Geld nehmen, um sich gute Kleider und eine wohleingerichtete Wohnung

zu verschaffen. Hassan befolgte die Befehle, und da der Wechsler nie die von ihrgeforderten Summen verweigerte, so kauften sie viele Sklaven und lebten beide einige Zeitim Schooße des Ueberfluffes.

Eines Tages gab die Unbekannte Hassan eine Börse und sprach zu ihm:leistemir, ich bitte dich, einen Dienst, der mir sehr wichtig ist. Eile auf den Bazar, dort

wirst du leicht den Laden Abdallahs, des Seidenhändlers, finden. Laß dir ein Stück

seines besten Seidenzeugs geben, und wie hoch auch sein Preis seyn möge, kaufe es,ohne etwas davon abzudingen." Hassan ging auf den Bazar und erkannte dort baldden Laden des jungen Kaufmanns, er trat ein, ließ sich ein Stück vom besten Seidcn-zeuge vorlegen und kaufte cs, ohne im geringsten abzukürzen. Noch mehre male bat ihn! die Unbekannte, von jenem Kaufmann thcure Maaren zu kaufen, und so kam es, daß, zwischen ihnen eine Verbindung entstand, welche so vertraulich war, daß der Kaufmann! Hassan zu einem Mittagsmahle cinlud, was dieser auch annahm.

Nun wurde, so wollte cs die Unbekannte, bald darauf Abdallah von Hassaneingeladen, der auch mit Freuden die Ehre annahm, welche ihm ein so reicher und vor-nehmer Mann erwies, als Hassan in seinen Augen war.

Wie seltsam dir auch das erscheinen wird, von dem du bald Zeuge seyn wirst,"sprach die Unbekannte zu Hassan,staune nicht darüber." Zur bestimmten Stunde kamAbdallah mit seinen schönsten Fcierkleidern angethan. Hassan empfing ihn aufs! Artigste; sie tranken beide bis spät in die Nacht hinein; aber als von der Trennungdie Rede war und Abdallah sich bei seinem Wirthe beurlauben wollte, gestattete Hassancs nicht.Wie," sprach er,du solltest zu so später Stunde noch fortgehen? nein, daskann ich nicht gestatten. Du mußt in meinem Hause übernachten, ich will dir ein Lager