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Derwisch vorübergchen, dessen Pantoffeln zerrissen waren. „Frommer Derwisch," redeteer ihn an, „cs gefalle dir, eine Weile bei mir zu bleiben, daß ich dein Schuhwcrk aus-besser» kann, denn es ist sehr zerrissen." Der Derwisch folgte dieser freundlichen Ein-ladung, ließ sich nieder und genoß von den Speisen, welche Hassan ihm vorscztc.
! Als der Schuhflicker die Pantoffeln ausgebessert hatte, sprach er: „Zum Lohn für! meine Arbeit bitte ich dich um einen guten Nach. Ich habe große Lust zu reisen, und> Niemand kann mir dazu bessern Rath erthcilen, als du." — „Mein Sohn," erwiderteder Derwisch, „gern will ich dir drei Lehren geben, welche sehr wichtig sind, wie ich ausmancher Erfahrung weiß:
„Erstens, beginne nie die Reise ohne einen guten Gefährten, denn unser großerProphet, mit dem alles Heil scp, spricht: zuförderst suche dir einen Gefährten und dannbegib dich auf den Weg. Zweitens, verweile nie an einem Orte, wo Wasser mangelt,' und drittens, geh nie in eine Stadt nach Sonnenuntergang."
Wenige Wochen darauf begab sich Hassan auf die Reise, nachdem er gute Gefähr-ten getroffen hatte. Als sie einige Tage gewandert waren, kamen sie zusammen an dieThore einer großen Stadt; seine Gefährten eilten hinein, er aber, eingedenk des Rathes,den ihm der Derwisch gegeben hatte, blieb draußen am Ufer eines Stromes; und da erunfern davon einen Gottesacker fand, so beschloß er, auf diesem die Nacht zuznbringen.
Drei Stunden nach Mitternacht bemerkte er einige Männer, welche etwas, dessenUmrisse er nicht erkennen konnte, an Seilen über die Stadtmauer hinablicßcn und eiligstin eines der nächsten Gräber trugen. Kaum hatten sie sich entfernt, so lief Hassannach dem Orte, wo sie ihre Bürde abgelegt hatten. Er nahm sein Feuerzeug, schlugLicht damit an und sah nun einen Sarg, aus welchem von allen Seiten Blut hervor-ricselte. Sogleich hob er den Deckel des Sarges auf und fand darin eine Frau von^ seltner Schönheit, ganz in ihrem Blute gebadet und in ein Leichentuch gehüllt. Er! glaubte, sie sey todt und hob das Tuch auf, welches sie umhüllte, da rief sie mit kaum
! vernehmlicher Stimme: „Um des höchsten Gottes Willen raube mir nicht mein Gewand."
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! Als Hassan erkannte, daß sic noch lebe, zerriß er seinen Kaftan und verband ihreWunden damit.
Mit Anbruch des Tages ließ er die Fremde in die Karavanscrai der Stadt tragen,und gab dort vor, sie sep seine Schwester, welche er, vom Zorn übermannt, selbst so! verwundet hatte. Zwei Monate Pflegte er sic hier mit der zärtlichsten Sorgfalt.
^ Nachdem diese Zeit verflossen, war die Fremde ganz wiedergcnesen und ging ausder Karavanscrai ins Bad. Als sie zurückkam, forderte sie Schreibzeug, schrieb einige