Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
107
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Nachts bewerkstelligte er seine Landung, stellte ohne alles Geräusch sein Heer inSchlachtordnung und rückte beim Anbruch des Tages gegen die Stadt vor, wo er dieEinwohner überraschte, welche eines solchen Ueberfalls gar nicht gewärtig waren. Ertödtete alle, welche ihm zu widerstehen wagten, nahm den König nebst seinem ganzenHofstaat gefangen und kehrte als Sieger zur Insel der kopflosen Menschen zurück. Dortwurde er unter dem Zujauchzcn des Volkes empfangen und Festlichkeiten aller Artdauerten einen ganzen Monat lang. Die Gefangenen wurden unter die Einwohnervcrtheilt, welche sie mit allen jenen Brühen verspeisten, die man an Strandvögel zu thunpflegt. Der besiegte König selbst entging nicht einmal diesem Tode, man sezte ihn beieinem Feste der gesummten Familie des Königs der kopflosen Menschen vor.

Nach diesem Feldzuge, welcher dem Kriege mit einemmale ein Ende machte, führteder Prinz von Karisme ein müßiges Leben. Er blieb neun Jahre lang am Hofe deskopflosen Königs und gewann dessen Freundschaft so sehr, daß er einst zu ihm sprach:Fürst, ich bin alt und habe keine männlichen Nachkommen, du sollst meine Krone erben,unter der Bedingung, daß du sie mit meiner Tochter thcilst. Ich wünsche, daß du,obwohl.du von gar seltsamer und lächerlicher Gestalt bist, mein Schwiegersohn werdest."Der Prinz wich diesem Anträge sehr geschickt aus, aber der König kam stets wieder daraufzurück, und als er gewahr wurde, daß der Prinz eine Abneigung gegen diese Heirath hatte,fing er einst wieder an in einer ganz andern Sprache mit ihm davon zu reden:Prinz,"sprach er,es steht dir nicht wohl an, die Ehe auszuschlagen, welche ich dir zugedacht habe,darum wisse denn, daß alle Dienste, welche du mir erwiesest, dich nicht vor meinem Zornschützen werden, wenn du noch länger zauderst mir zu gehorchen. Bedenke dich wohl, duwirst morgen meine Tochter zum Weibe nehmen, oder ich lasse dir diese Kugel abschlagen,welche unaufhörlich auf deinen Schultern schwankt und dir ein so lächerliches Ansehen gibt."

Diese Worte sprach der König in solchem Ton, daß der Prinz von Karisme wohleinsah, er müsse sich zum Gehorsam entschließen oder sterben. In dieser peinlichen Lagerief er aus:Unseliges Gestirn, unter dem ich geboren ward, soll ich denn nimmerdeinem heillosen Einfluß entgehen? Ist es nicht genug, daß ich einst ein Weib miteinem Hundskopf hatte, muß ich mich nun auch noch mit einem andern Ungeheuer ver-mählen? O, Dilaram, reizende Dilaram, deren Andenken mir einen Schmerz ver-ursacht, den die Zeit nie schwächen wird, in meinem Herzen lebt dein holdes Bild, wiekönnte ich mit einem Weibe mich verbinden, dessen Augen sich an die Schultern verirrthaben, und die auf dem Busen einen Mund hat, der weit eher bestimmt scheint, einenMann zu verschlingen, als seine Küsse zu empfangen."