10-i- ö i c b c n z c h n t c N a ch t.
soll ich euch denn verlieren! Ach, ich werde euch nie wieder scheu." —„Herr," erwiderteder Fürst, „laßt uns dem Triebe unsres Blutes folgen; wenn wir unsre Väter wieder-gcschcn haben, wollen wir gewiß in diese Einsamkeit zurückkchren, um die Reize der! Unsterblichkeit mit dir zu genießen." Dasselbe sagte ihm die Prinzessin, aber was sic ihmauch von ihrer Rückkehr versprachen, er war in die Wissenschaft Mckaschcfa eingcwciht,las im Innern ihrer Herzen und wußte wohl, daß sie nicht die Absicht hatten, ihr Wortzu halten. Der Schmerz, daß er bald den Prinzen und seine Gemalin, an denen ermit der zärtlichsten Liebe hing, verlieren mußte, machte ihm das Leben zur Last. Er riefden Engel des Todes, welchen er seit so vielen Jahrhunderten, vermöge seiner geheimenKunst, von sich zu entfernen gewußt hatte, er entsagte aller Fürsorge, die er stetsgenommen hatte, um sein Leben zu verlängern und gab sich so selbst den Tod. Kaumhatte er den lczten Seufzer ausgehaucht, so entführten ihn seine Geister. Plötzlich ver-schwand auch der Palast, und der Prinz, seine Gattin und seine Kinder waren mitten aufdem Felde. Sic konnten sich der Thränen nicht erwehren, da sie bedachten, daß sieSchuld an dem Tode des alten Königs sepcn, aber bald wich ihr Schmerz schmeichlerischenVorstellungen, welche die Hoffnung, ihre Väter wicderzuschcn, ihnen cinflößtc, sie dach-ten nur noch an ihre Abreise. Sic pflückten einige Früchte, welche die gütige Natur,trotz der Uncrgiebigkeit dcö Bodens, nur für sic in dieser Wüste hervorgebracht zu habenschien; dann trugen sie dieselben in ihre Barke, welche sie an einem Pfahl angebundenund in demselben Zustande fanden, wie sie sie einst verlassen hatten. Sie banden dasFahrzeug los, stiegen alle vier hinein und folgten dem Laufe des Flusses, welcher eineVicrtclmeile von dort sich in das Meer ergoß.
Ein Seeräuber, welcher vor der Mündung dieses Flusses kreuzte, entdeckte die Barke,nahte sich ihr und rief dem Prinzen zu, sich zu ergeben, wenn er dem Tode entgehenwolle. Der Prinz war ohne Waffen, was sollte er, einer Menge Bewaffneter gegen-über, beginnen? Statt sich ganz unnützer Weise zu verthcidigen, überlieferte er sich denHänden des Räubers, indem er ihn bei allem, was heilig ist, beschwor, nicht seinem! Weibe die Ehre zu rauben, noch seinen Kindern das Leben. Kaum hatte der Räuber sie^ an Bord ausgenommen, so steuerte er mit vollen Segeln nach einer Insel, dort ließer den Prinzen von Karisme aussetzcn und eilte dann, wieder die hohe See zu ge-! Winnen, indem er die Prinzessin und ihre beiden Knaben mit sich nahm.
Es ist unmöglich, den Schmerz des Prinzen und Dilarams über ihre Trennungzu schildern. Sic erschütterten die Luft mit ihren Klagen, denn es war in der Thal ein^ beklagenswerthcs Mißgeschick.