Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
103
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s i c b c n z e h n t e R a ch t. 103

Prinzen, schön anzuschcn, wie der Mond am Himmel. Sic nährte sic selbst mit ihrerMilch, und als sie so alt waren, Unterricht genießen zu können, lehrte sic ein Geist eineMenge wunderbare Dinge. Schon waren sic sechs Jahre alt, da sprach ihre Muttereinst zu ihrem Gcmal also:Mein thcurer Herr, ich kann dir nicht verhehlen, daß ichdes Lebens in diesem Palastc überdrüssig bin. Vergebens bietet er meinen Augen tausendwundersame und unbegreifliche Dinge dar, alle seine Reize werden mir langweilig, weilich gezwungen bin, für immer darin zu wohnen. Mag der gute König von China unsauch versichern, daß wir niemals sterben werden, seine Versicherung rührt mich wenig.Trotz seines Geheimnisses wird er immer älter, und es ist wahrlich mehr ein Leiden, alsein Glück, vom Alter geplagt, noch fortzulcben. Ucberdies sehne ich mich, meinen Vaterwiedcrzusehen, wenn ihn der Schmerz über meinen Verlust nicht gctödtet hat."

Meine Fürstin," erwiderte ihr Gcmal,diese Unsterblichkeit, welche der gütigeGreis uns versprach, ich habe sie nur gewünscht, um dich ewig und immerdar lieben zukönnen. Der Himmel sey mein Zeuge, daß auch mich die Sehnsucht quält, meinenköniglichen Vater wiedcrzusehen und daß der Gedanke an ihn mir oft Thräncn erpreßt.Aber welchen Weg sollen wir cinschlagen, um nach Georgien zu gelangen?"MeinGebieter," sprach darauf die Tochter des Königs von Georgien,unsre Barke ist nochan dem Ufer, wohin die Fluth sie einst getragen hat. Vertrauen wir ihr noch ein zweitesmal unser Geschick und folgen wir dem Laufe des Flusses, er wird uns irgendwo hin-führcn, wo wir vielleicht eine Gelegenheit finden, an den Hof meines Vaters zu gelangenoder in die Staaten des dcinigcn."

So sey es, Herrin," erwiderte der Prinz,dir zu gefallen ist allein meinWunsch, wir wollen diesen Palast verlassen, weil er dich langweilt, und uns mit unfernKindern cinschiffcn. Aber ach! welchen Kummer wird unsre Abreise dem guten Königvon China bringen! Er liebt uns, wie seine Kinder, er glaubt, daß wir ihn nie ver-lassen werden und ist gewiß ganz untröstlich, wenn wir fortreisen."Wir wollen mitihm reden," sprach wiederum die Prinzessin,wir wollen uns verstellen und, um seineVerzweiflung zu vermindern, ihm versprechen, daß wir ihn nicht für immer verlassenwollen."

Nach dieser Unterredung gingen sie zum alten König, sie stellten ihm vor, wie sieein so dringendes Verlangen empfänden, ihre Eltern wiederzusehen, daß sie nicht län-ger widerstehen könnten und daß sie ihn deßhalb bäten, in die Rückkehr nach ihrer Hei-mat zu willigen, sie wollten nach Verlauf einiger Jahre gewiß wiederkommen. Als derKönig sie so reden hörte, begann er zu weinen.O, meine Kinder," rief er aus,so