Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
89
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F ü n f z r h n t e U a clj r. 89

Der Erstgeborene Akschids sprach, denjenigen, welchen er zunächst bewundere, scy derGcmal des Weibes. Akschids zweiter Sohn behauptete, ihr Geliebter sep noch mehr zubewundern. Und du hoher Herr, fragte der Kadi' den Jüngsten, welcher Meinung bist du?

Mir scheint," antwortete dieser,der Großmüthigste sep der Dieb, ich begreife nicht,wie er den Reizen jenes Weibes widerstand, und vor allem, wie er sich so bezwingen konnte,sie nicht zu berauben. Die Edelsteine, mit denen sie geschmückt war, mußten seine Hab-sucht mächtig reizen und wahrlich, er hat den größten Sieg über sich davon getragen."

Fürst," erwiderte ihm der Kadi, und sah ihm starr ins Auge,du bewunderstallzusehr die Selbstbeherrschung des Diebes, als daß ich dich nicht im Verdacht hätte,die Edelsteine deines Vaters, der in die Wohnungen der Seeligen eingegangcn ist, genom-men zu haben, du selbst verriethcst dich so eben. Gestehe es, o Herr! und laß dich nichtvon falscher Scham zurückhalten, warst du zu schwach, einer Bewegung der Habsucht zuwiderstehen, so sühne doch deine Schwäche durch ein offnes Bekenntnis;."

Und crröthcnd ob der Reden des weisen Kadi von Kahira gestand der jüngste Sohndes Sultans Akschid die Wahrheit.

Chansade erzählte diese Geschichte nicht vergebens, die boshaften Folgerungen, diesie daraus ablcitcte, ließen Sindbad wieder schwanken in dem Entschlüsse, seinen Sohnleben zu lassen, bis sein Verbrechen ganz klar erwiesen scy, und sie bestimmte ihn vollends,ihren Aufhetzungen zu folgen, indem sie also zu ihm sprach:

Herr und Gebieter! siche, du bist dem Ende deiner Tage näher, als du wohldenkst. Dein Sohn, dein entarteter Sohn, dessen Leben deine Vcsire durch ihre gefährlicheBcredtsamkeit noch immer zu verlängern suchen, wird dir vielleicht schon morgen einenDolch in die Brust stoßen. Ach," seufzte sie,was soll aus mir werden, wenn duumkommst. Aber, wahrlich, wenig frage ich nach meinem Leben, nur den Tod meinesSultans, nur den Tod meines Gemals, den ich so innig liebe, fürchte ich." Alsoredend begann sie zu weinen, und ihre heuchlerischen Thräncn machten einen so lebhaftenEindruck ans Sindbad, daß er ganz gerührt ausrief:Trockne deine Thränen, meineschöne Sultanin, ich werde meinem Sohn gewiß nicht verzeihen; wahrlich, er ist sehr-schuldig, weil er dir Thränen erpreßt. Laß uns zur Ruhe gehen und scy gewiß, mor-gen, so bald der weiße Widder den schwarzen Widder bis ans Ende der westlichen Erdegejagt hat, werde ich unserem gemeinsamen Feinde das Haupt abschlagen lassen."

In der That erhob sich am folgenden Tage der Sultan, in der festen Absicht,Chansade zufrieden zu stellen. Er sezte sich auf seinen Thron und befahl dem Henker,

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