Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
90
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gg S ü n f z e h n t c U a ch t.

ihm Nourgehan vorzuführcn. Als der neunte Vcsir vortrat, um für sein Leben zubitten, gebot der Sultan ihm zu schweigen und sagte zornig:Vcsir, umsonst redest duzu Gunsten meines Sohns, sein Tod ist beschlossen." Da zog der Vesir aus der Tascheseines Gewandes ein zusammengcfaltctcs Pergament und sprach, es dem Sultan über-reichend:Wenigstens, mächtigster Herrscher der Welt, geruhe, dir den Inhalt dieserSchrift vorlcsen zu lassen und zu vernehmen, was sie enthält, dann mögest du thun,was dir in deiner Weisheit gut dünkt." Sindbad nahm selbst das Pergament, ent-faltete es und las diese Worte:

O weiser und immerdar glücklicher Herrscher, ich habe mir die Astrologie zumbesonder» Gegenstände meiner Forschungen gemacht, ich habe deinem Sohn Nourgehandas Horoskop gestellt und gefunden, daß er vierzig Tage lang in Todesgefahr schwebenwird; hüte dich wohl,, ihn tödten zu lassen, ehe sie verflossen sind."

Alle andern Vcsire verbanden ihre Bitten mit dieser Warnung;O Herr!" sprachensie,um des höchsten Gottes willen, warte bis die vierzig Tage verstrichen sind, duwirst dich einst selbst freuen, daß du so lange Geduld hattest."Ja, ohne Zweifel,"sezte der neunte Vesir hinzu,wenn du, o Herrscher! mir erlauben willst, so will ichdir eine Geschichte erzählen, welche einige Achnlichkcit mit der Nourgchans hat, unddu wirst eingcstehen, daß Geduld stets alles Unglück besiegt."Nun denn, Vesir,"sprach Sindbad,so erzähle uns deine Geschichte."

Darauf begann der neunte Vcsir folgendermaßen:

Geschichte -es Prinzen von Karisme un- -er Prinzessin von Georgien.

Ein König von Karisme, welcher kinderlos war, that unaufhörlich Gelübde undbrachte dem Himmel Opfer dar, um Nachkommen zu erhalten. Der höchste Gott nahmseine Opfer gnädig an und schenkte ihm einen Knaben, schöner als der Tag. Er feierteseine Geburt durch glänzende Feste; einige begnadigte er mit Bcfehlshaberstellcn LnStädten, andere mit Jahrgehalten, alle seine Völker genossen seine Freude mit ihm.Er vergaß nicht, alle Astrologen, welche sich in seinen Staaten befanden, zu versammeln.Er befahl ihnen, seinem Sohn das Horoskop zu stellen, aber ihre Beobachtungen warendem König nicht sehr angenehm; denn sie kündigten ihm an, der Neugeborne werde biszum dreißigsten Jahre von einer Unzahl von Unglücksfällen bedroht werden; doch Gottallein wisse, auf welche Weise er hcimgesucht werden würde.

Schehersad bemerkte hier den Tag und schwieg. Am andern Morgen fuhr sie fort: