Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
87
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d F ii n f; c I) n l r N a ch t. 87

Erkläre es mir, ich beschwöre dich darum." Kurz, er bat sie so lange, bis sie ihmgestand, sie habe einen Geliebten, aber nicht sowohl aus Liebe zu ihm weine sie so sehr,sondern weil cs ihr nicht möglich scp, ihm das Versprechen, welches sie ihm gegebenhatte, zu halten.

Der Mann war von gutmüthiger und heiterer Gemiithsart, er bewunderte die Auf-richtigkeit seines Weibes und sprach zu ihr:

So sehr danke ich dir für deine Aufrichtigkeit, daß ich, statt dir Vorwürfe überdein leichtsinniges Versprechen zu machen, dir vielmehr erlauben will, es zu erfüllen."Wie, Herr!" unterbrach sie ihn, ganz außer sich vor Staunen,du könntest cinwilligcn,daß ich meinen Geliebten besuche."Ja, ich willige darein," erwiderte der Mann,doch unter der Bedingung, daß du vor Tagesanbruch wieder hierher zurückkchrst unddaß du mir gelobst, nie wieder gegen irgend Jemanden solche Versprechungen einzugehcn.Da du deinem gegebenen Worte so getreu bist, so werde ich ein für alle mal wohlfeilenKaufs davon kommen." Das Weib schwur ihm, wäre er jezt so gefällig, ihr diesen Wegzu gestatten, so würde sie ihm auch auf ewig treu sepn und sie spräche gewiß zum lez-tenmale mit ihrem Geliebten. Diesem Eide vertrauend, ging der Mann selbst hin, ihrdie Thür zu öffnen, damit keiner vom Hausgesinde um dieses Abenteuer wisse und seineGattin ging fort, noch angethan mit ihren Hochzeitskleidern und geschmückt mit vielenPerlen und Diamanten.

Kaum war sie zwanzig Schritte weit gegangen, als ihr ein Dieb begegnete, welcher,als er im Strahl des Mondes die Edelsteine erblickte, mit denen sie geschmückt war,voller Freude ausrief:Ach, welches Glück! wie viel, mein günstiges Geschick verdanke ichdir, daß du mir eine solche Gelegenheit reich zu werden schenkest!" Mit diesen Wortennäherte er sich dem Weibe, gebot ihr still zu stehen und wollte sie eben berauben, aberals er ihr ins Antlitz blickt, erscheint sie ihm so schön, daß er ganz verlegen ward.Was seh ich!" sprach er,ist es kein Trugbild, welches mich verführt; o Himmel,kann man allzugleich soviel Schönheit bei soviel Reichthum finden! Welche Reize, welcherReichthum, wahrlich, ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Aber Herrin," fügte er hinzu,darf ich wohl dem trauen, was mir meine bezauberten Augen zeigen. Durch welcheLaune des Schicksals wandelt ein so liebliches, reich geschmücktes Weib bei dieser nächt-lichen Stunde allein durch die Straßen." Sie erzählte ihm offenherzig den Grund. DerDieb hörte sie erstaunt an.Wie, Herrin!" fragte er,dein Gemal war so gefälliggegen dich, daß er, um deine Thränen zu trocknen, einem Andern die herrlichste Nachtseines Lebens überlassen wollte."Herr, dem ist also," erwiederte sie.Wahrlich,"