80 V i c r z c h n l c N a ch t.
befinden? Wenn er nun plötzlich* stürbe, wären dann nicht alle unsere Hoffnungen ver-eitelt? Ucbrigcns, wie können wir wissen, ob er es nicht überdrüssig wird, mit uns zuwohnen? Vielleicht denkt er schon daran, uns zu verlassen und einen Andern mit seinenNcichthümern zu beglücken. Deshalb, mein Kind, bin ich der Meinung, du mögest denPadmanaba inständigst bitten, dich die Gebete zu lehren, und wenn du sie kannst, sowollen wir ihn tödten, damit er Niemand weiter das Geheimnis des Brunnens ent-decken könne."
Der junge Fikai erschrack über diese Rede. „O meine Mutter," rief er aus, „waswagst du mir vorzuschlagen? wie hast du nur einen so schwarzen Anschlag fassen können!Der Brahmane liebt uns, er überhäuft uns mit Wohlthaten, er verspricht mir Schätze,hinlänglich, die Habsucht der mächtigsten Herrscher auf Erden zu stillen, und zum Lohnall des Guten, welches er uns erzeigt, willst du ihm das Leben rauben! Nein, sollt' ichauch zu meiner Beschäftigung mich wieder erniedrigen müssen, sollte ich mein Leben langFikaa verkaufen, so möchte ich doch nicht Mitschuld tragen an dem Tod eines Mannes,dem ich so hoch verpflichtet bin."
„Du hast sehr edle Gesinnungen, mein Sohn," erwiderte seine Stiefmutter, „aberman muß nur auf seinen eigenen Vorthcil bedacht seyn. Das Glück bietet uns eineGelegenheit uns auf immerdar zu bereichern, darum wollen wir sie uns nicht entschlüpfenlassen. Dein Vater bcfizt mehr Erfahrung als du, er gibt meinem Vorschläge Beifallund du mußt ihm auch deine Zustimmung geben."
Hassan hegte immer noch heftigen Widerwillen gegen diesen grausamen Entschluß,doch, jung und leichtsinnig, wie er war, ließ er sich durch viele Vorspiegelungen seinerStiefmutter bereden, ihr nachzugeben. „Sep es denn," sprach er, „ich will zu Pad-manaba gehen und ihn bitten, mich die Gebete zu lehren."
In der That ging er alsbald zu ihm und bat ihn so inständig, ihn Alles zu lehren,was er zu thun hätte, um in jenes unterirdische Gewölbe zu gelangen, daß der Brah-mane, welcher den Jüngling zärtlich liebte, cs ihm nicht abzuschlagcn vermochte. Erschrieb jedes Gebet auf einen Zettel und bemerkte genau den Ort, wo man cs sprechenmußte, sagte ihm Alles, was noch sonst zu beobachten sey und gab es dann dem Jüngling.
So bald dieser die Gebete wußte, benachrichtigte er seinen Vater und seine Stief-mutter davon, die einen Tag festsezten, an welchem sie alle drei zu den Schätzen gehenwollten. „Wenn wir zurückgekehrt seyn werden," sprach die Stiefmutter, „so tödtenwir den Padmanaba." Als der bestimmte Tag gekommen war, verließen sie ihrHaus, ohne dem Brahmanen zu sagen, wohin sie gingen. Sie nahmen ihren Weg