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und fürchtet nichts. Muthiger als ihr, will ich selbst mich ihm nahen, ihn ergreifen undihn euch übergeben."
Die Soldaten standen auf diese Anrede still und faßten wieder Muth, dann kehrtensie zurück, folgten dem Scheich, welcher in Gestalt der Sklavin war, und traten indie Höhle ein und ergriffen die Sklavin, im Glauben, daß sie den Scheich fingen, bandenihr Hände und Füße, ohne daß fie ein einziges Wort sprach, denn der Scheich hatte ihrdie Gabe der Rede genommen. Sie führten fie zum König von Damaskus, welcher ihrauf der Stelle das Haupt abschlagen ließ. Aber als das Haupt vom Rumpfe getrenntwar, gab der Scheich dem Körper seine wahre Gestalt wieder und zeigte dem König undallen seinen Beamten, daß die Sklavin so eben enthauptet worden sey und er selbst, derin Gestalt der Sklavin gegenwärtig war, nahm seine eigene wieder an und sprach zumKönig von Damaskus: „O König! du hast dem Sultan von Aegypten zu Gefallen Allesangewandt, mich ins Verderben zu stürzen; erfahre denn, daß man nie bereit seyn mußzu ungerechten Verfolgungen und danke Gott, daß ich meine Rache auf die Bestrafungdieses elenden Weibes, welches mich verrietst, beschränken will." Also redend verschwandder Scheich und ließ den König von Damaskus und Alle, welche Zeugen dieser wunder-baren Begebenheit waren, im höchsten Erstaunen zurück.
„Dieses ist, o Herr! die Geschichte des Scheich Schahabeddin," fuhr der ersteVesir des Kaisers von Persien fort; „daraus wirst du, mächtiger Herrscher, sehen underkennen, daß die Männer sich nicht genug hüten können vor der List der Weiber. Er-laube uns, deinen Sohn Nourgehan noch zu befragen, ehe du ihn tödten läßt. —Vielleicht wird er uns seine Unschuld enthüllen." — „Dem sey also," entgegnete derKaiser, „ich willige ein, meines Sohnes Tod bis morgen aufzuschieben."
Während die Vesire den Kaiscrssohn in seinem Gefängnisse besuchten, bestieg derKaiser ein Roß und ritt zur Stadt hinaus, um sich auf der Jagd zu erfreuen. AmAbend nach seiner Heimkehr nahm er gemeinschaftlich mit seiner Gcmalin Chansade dieMahlzeit ein. Nach dem Abendessen sprach Chansade also zum Kaiser: „Ich fürchte, oHerr! daß du es bereuen werdest, den Tod Nourgehans aufgeschoben zu haben. DerMensch, sagt der Koran, hat zweierlei Feinde, die er liebt, seine Kinder und sein Gut.Wahrlich, dein Sohn ist dein Feind, weil er fähig war, den Gedanken des fluchwürdigenVerbrechens zu fassen, welches er ausführcn wollte. Eile doch, ihn zu strafen. Hörenicht länger Liebe und Mitleid, die noch immer für ihn bitten. Sein böses Gemüth