Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
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64 v i c r z c h n l e N a ch t.

In den Ballen waren Gewänder von allen Farben, alle wurden nach einander be-schaut, endlich wählte man ein Unterkleid von prächtigem weißem Seidenstoff, undeinen Talar von violettem Tuch. Der Jude lieferte noch die übrigen nöthigen Kleidungs-stücke, und verließ mit seinen Burschen den Saal. Jezt staunte die Frau über dasgute Aussehen des Sultans, und war sehr zufrieden, einen solchen Mann zu haben,wie auch er sich freute, eine so schöne Gattin zu besitzen.

Er lebte sieben Jahre mit diesem Weibe, und zeugte mit ihr sieben Töchter undsieben Söhne. Aber da beide Gatten Aufwand liebten, und nur daran dachten, herrlichzu speisen und in Vergnügungen zu leben, so kam es endlich dahin, daß das ganzeVermögen der Frau verschwendet war. Man mußte die Begleiterinnen, die Sklavenentlassen, und das Hausgeräth Stück für Stück verkaufen, um nur das Leben fristenzu können.

Als die Frau des Sultans sich in das tiefste Elend vcrsezt sah, sprach sie also zuihrem Manne:So lange ich Geld besaß, hast du nicht gespart, du hast im Müßig-gänge gelebt, und deine Tage in Freuden verbracht, jezt endlich ist es an dir, auf Mittelzu denken, wie du deine kleine Familie ernähren willst."

Diese Worte betrübten den Sultan. Er ging, um wieder den alten Schmied auf-zusuchen, und ihn um Rath zu fragen.O mein Vater!" redete er ihn an,du sichstmich jezt unglücklicher als damals, wo ich diese Stadt betrat. Ich habe ein Weib undvierzehn Kinder, und besitze nichts, um sie zu ernähren."O Jüngling!" entgegneteihm der Greis,verstehst du kein Handwerk."Nein," antwortete der Sultan. Dazog der Schmied zwei Aktschas ' aus seiner Tasche, reichte sie dem Sultan und sprach:Geh' sogleich, und kaufe dir Tragstricke, und stelle dich auf den Platz, wo die Lastträgersich versammeln." Der Sultan kaufte Stricke, und stellte sich unter die Lastträger.Kaum war er dort eine kleine Weile, so kam ein Mann, welcher zu ihm sprach:Sagemir, willst du eine Last tragen?"Eben dazu bin ich hier," erwiderte der Sultan.Darauf lud der Mann einen schweren Sack auf seine Schultern; nur mit der größtenAnstrengung vermochte der Sultan ihn zu tragen, und die Stricke am Sacke rieben ihmdie Schultern wund. Dann empfing er seinen Lohn, der in einem Aktscha bestand, undbrachte ihn in seine Wohnung. Als die Frau sah, daß er nur einen Aktscha mitbrachte,sagte sie zu ihm, wenn er nicht alle Tage zehnmal so viel verdiente, müßte bald seineganze Familie Hunger sterben.

' Eine ganz geringe arabische Münze.