Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
63
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Vierzehnte Na chl. 63

Gemach zu treten und nur einen Augenblick zu warten bat. Hier blieb er zwei Stunden,ohne außer dem Sklaven, welcher von Zeit zu Zeit kam und ihn bat, nicht ungeduldigzu werden, irgend Jemand zu sehen.

Endlich erschienen drei reichgeschmückte Weiber, sie begleiteten eine andere, welcheganz von Edelsteinen strahlte, aber mehr noch durch ihre Schönheit, als durch die Edel-steine glänzte. Kaum hatte der Sultan einen Blick auf sie geworfen, so erkannte er inihr die lezte, welche er aus dem Bade hatte kommen sehen. Sie nahte sich ihm holdseliglächelnd.Verzeihe mir, o Herr!" sprach sie zu ihm,wenn ich dich eine Weile habewarten lassen; aber ich wollte mich vor meinem Herrn und Gebieter nicht im Morgen-kleide zeigen. Du bist in deinem Hause, Alles, was du siehst, gehört dir an, dubist mein Gemal und darfst nur befehlen, ich bin stets bereit, deinem Willen zu ge-horchen."Herrin," entgegnete der Sultan,noch vor einem Augenblick klagte ich! über mein Geschick,, und nun bin ich der glücklichste der Menschen. Aber da ich deinGemal bin, so sag' an, warum ruhten vorhin deine Blicke so stolz auf mir? Ichglaubte, mein Anblick habe dich stutzig gemacht und wahrlich, ich konnte es dir kaumübel nehmen."Herr," erwiderte darauf das schöne Weib,ich hütete mich wohl,anders zu thun. Die Weiber dieser Stadt müssen öffentlich so stolz thun, das ist hieralso der Brauch. Aber dafür sind sie auch die freundlichsten daheim."Um sobesser," entgegnete der Sultan,gerade so liebe ich cs. Doch da ich nun einmal Herrhier im Hause bin," fuhr er fort,so will ich die Regierung meines kleinen König-reichs beginnen, und befehle, daß man mir einen Schneider und Schuster hole. Ichschäme mich, in diesem elenden Gewände und diesen alten Schuhen vor dir zu erscheinen,o Herrin, wahrlich sie entsprechen nicht der Stellung, die ich bis jezt in der Welt ein-genommen habe."Ich bin diesem Befehle schon zuvorgekommen, mein Gebieter,"antwortete die Frau.Ich sandte einen Sklaven zu einem jüdischen Kaufmanne, welcherfertige Kleider verkauft und dir Alles liefern soll, dessen du bedarfst. Indessen möge esi dir gefällig seyn, einige Erfrischungen einzunehmen." Also redend nahm sie ihn an der! Hand und führte ihn in einen Saal, in welchem eine Tafel stand, bedeckt mit Früchten undBackwerk. Sie seztcn sich Beide zu Tische und während sie aßen sangen die drei andernWeiber, welche hinter ihnen standen, mehre Lieder des Dichters Bada-Saudai. Zugleich! spielten sie verschiedene Instrumente und zulezt nahm noch ihre Herrin eine Laute, sang einrührendes Lied dazu und ergözte den Sultan höchlich durch ihren Gesang und ihr Spiel.

Diese Unterhaltung wurde durch die Ankunft des jüdischen Kaufmanns unterbrochen,der mit einigen Burschen, welche Ballen voll Seidenstoffen trugen, in den Saal trat.