Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
58
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58 V i c r z e t> n t c lll a ch l.

Scheich ein Fenster wieder öffnen ließ, welches die Aussicht auf einen Berg Kzeldagsi,das heißtrother Berg," hatte, und sagte dem Sultan, er möge hinaus sehen.

Der Sultan neigte sein Antlitz zum Fenster, und sah auf dem Berg und in derEbene Soldaten mit Schilden und Panzerhemden. Sic saßen Alle zu Pferde, das Schwertin der Hand, und sprengten mit verhängtem Zügel und in größerer Zahl als dieSterne gegen das Schloß an. Bei diesem Schauspiele erbleichte der Sultan und riefvoll Schrecken aus:O Himmel, welch furchtbares Heer ist wider mein Schloß imAnzug?"Herr, fürchte dich nicht," sprach der Scheich,es ist nichts." Und soredend schloß er selbst das Fenster und öffnete es alsbald wieder, und der König ge-wahrte Niemand, weder auf dem Berge noch in der Ebene.

Ein anderes Fenster ging auf die Stadt; der Scheich ließ cs öffnen, und der Sul-tan sah die ganze Stadt Kairo in Flammen, die hoch in die Luft schlugen.Welch eineFeucrsbrunst!" schrie der König;da liegt meine Stadt, meine schöne Stadt Kairo inSchutt und Asche!"Herr, fürchte dich nicht," sprach der Scheich,es ist nichts."

Dann ließ der Scheich das dritte Fenster öffnen; da gewahrte der Sultan den Nil,der aus seinen Ufern trat und seine wüthendcn Wogen gegen des Königs Schloß trieb.Obgleich der König, der das Heer und die Flammen wieder hatte verschwinden sehen,nicht hätte erschrecken sollen, so konnte er doch seiner Furcht nicht gebieten und schriewiederum:Alles ist verloren! diese greuliche Uebcrschwcmmung wird meinen Palastvernichten und mich und mein ganzes Volk ertränken."Herr, fürchte dich nicht,"sprach der Scheich,es ist nichts." Und wirklich, kaum hatte Schahabeddin dasFenster geschlossen und wieder geöffnet, da verfolgte der Nil seinen Weg, wie gewöhnlich.

Zulezt ließ er das vierte Fenster öffnen, aus welchem man die Aussicht auf eine un-fruchtbare Wüste hatte. So sehr der König über die andern Erscheinungen erschrockenwar, so viel Vergnügen machte ihm dieser Anblick. Seinen Augen, gewohnt durch diesesFenster nur Wüsteneien zu sehen, bot sich der angenehmste Anblick dar; er sah Wein-berge, Gärten, voll der schönsten Früchte der Erde; Quellen, welche mit süßem Ge-murmel dahin rieselten zwischen Ufern, an denen Rosen, Basilicum, Balsamstauden,Jasminen und Narcissen in üppigster Fülle blühten. Zwischen diesen Blumen sah manTurteltauben und Nachtigallen in großer Menge; einige von ihnen ruhten von ihremlauten Gezwitscher erschöpft, andre füllten noch die Luft mit ihren zärtlichen und kla-genden Tönen. Der Sultan, von alle dem Wunderbaren, das seinem Blicke sichdarbot, erschöpft, glaubte den Garten von Eram ' zu sehen.Ach!" rief er im' So nennt man das irdische Paradies.