s r e b e n t e R a ch l. 31
ich dich belohnt, indem ich dich vom Tode befreite. Wisse, daß ich zu den Frommengehöre, die Alles im Namen Gottes thun. Als ich dich am Ufer des Meeres gesehen,liebte ich dich sogleich, und ging zu dir in dem Zustande, wie du mich sahst, erklärtedir meine Liebe, und du nahmst mich auf; jezt aber muß ich deine Brüder umbringen."Als sie so zu mir sprach, war ich über ihre Handlungsweise sehr erstaunt; ich dankteihr und bat: sie solle meine Brüder nicht umbringen, sonst würde auch ich sterben.Ich erzählte ihr hierauf Alles, was mir schon mit ihnen widerfahren war. Als siemeine Erzählung angchört, erzürnte sie sich heftig gegen sie, und sagte: „Sogleich sollihr Schiff untcrgehen, damit sic umkommen." Ich bat sie bei Gott, daß sie dies nichtthun möge. Es gibt einen Spruch, sagte ich: „Vergelte Böses mit Gutem!" Es sindja doch meine Brüder! Hierauf drang ich in sie und mäßigte ihren Zorn; sie hob michin die Luft und flog mit mir so hoch, daß man uns nicht mehr sehen konnte; dann ließsie mich auf das Dach meines Hauses nieder. Ich ging ins Haus hinunter, grub die3000 Dinar aus der Erde, und öffnete meinen Laden wieder. Als ich Abends, nachdemmich alle Leute vom Markte gegrüßt, in mein Haus zurückkehrte, fand ich diese beidenHunde dort angebunden. Als sic mich sähen, seufzten sie mir zu, hingen sich an michund vergoßen Thränen; ich erschrack darüber und wußte nicht was vorgefallen; da kammeine Frau und sprach: „Mein Herr! hier sind deine Brüder." Ich fragte sie, wer somit ihnen verfahren? Sie antwortete: „Mir wurde auferlegt, dies zu thun, und erstin zehn Jahren werden sie frei werden." Hierauf verließ sie mich, nachdem sie mir ihrenWohnort angegeben. Nun sind die zehn Jahre verstrichen, und ich machte mich mitihnen auf den Weg, damit sie erlöst werden. — Hier fand ich nun diesen Mann unddiesen Greis mit der Gazelle, ich erkundigte mich nach dem Zustande des jungenMannes, er erzählte mir, was ihm mit dir widerfahren, und ich beschloß, nichk vonhinnen zu weichen, bis ich sehe, was unser Herr der Geist dem Manne thun wird.Dies ist meine Erzählung, ist sie nicht wunderbarer?"
Jezt aber sprach der Geist: „Ich schenke dir das Drittheil seiner Schuld."
Der dritte Greis trat nun hervor und sprach also: „O du Geist, mein Herr! duwirst mich wohl nicht verä-chtlichcr behandeln, und mir auch ein Drittheil seiner Schuldschenken, wenn ich dir meine Geschichte mit diesem Maulthiere erzählt haben werde, dienoch wunderbarer und befremdender als die Geschichte dieser beiden ist." — „Erzähle!"versezte der Geist; und der Greis Hub an: „Höre, o Geist!"
Jezt bemerkte Schehersad den Tagesanbruch und schwieg; am folgenden Tagefuhr sie fort: