l i c r t c A a ch t.
Er schlachtete sic und zog ihr die Haut ab, aber da fand er weder Fleisch noch Fett, cswar nichts an ihr als Haut und Knochen. Ich bereute cs, sic geschlachtet zu haben, und sagtei zu dem Hirten: „Nimm du sic, oder gib sic wem du willst, und suche mir ein fettes! Kalb heraus." Er nahm die Kuh und ging fort; ich weiß nicht, was er mit ihr gcthan;! dann kam er wieder und brachte mir meinen Sohn, die Seele meines Herzens, in derGestalt eines fetten Kalbes. Als mein Sohn mich sah, zerriß er das Seil, das anseinem Kopfe befestigt war, sprang auf mich zu und legte seinen Kopf auf meine Füße.Ich wunderte mich darüber, ward gerührt und bemitleidete durch eine geheime göttlicheKraft mein eignes Blut. Mein Innerstes kam in Bewegung als ich die Thränen desKalbes, meines Sohnes, sah, wie sic über seine Wangen hcrabflosscn und wie es dabeimit seinen Vordcrfüßcn die Erde scharrte; ich ließ cs nun los, und sprach zu dem Hirten:„Laß dieses Kalb bei der Heerde und verpflege cs gut und bringe mir ein anderes!" Daschrie meines Oheims Tochter, diese Gazelle hier: „Schlachte kein anderes als dieses
Kalb!" Ich erzürnte mich und sagte: „Ich habe dir schon gehorcht, als ich die Kuh
schlachtete, und es hat uns nichts gcnüzt, nun werde ich dir aber bei diesem Kalbe keinGehör geben und cs nicht schlachten." Sic drang aber in mich und sprach: „Dieses
Kalb muß geschlachtet werden;" sic nahm dann ein Messer und ließ das Kalb binden.
Schehcrsad bemerkte nun den Tagesanbruch und hörte auf zu erzählen. Dinarsadsprach zu ihr: „O meine Schwester, wie schön und wunderbar ist deine Erzählung."Schehcrsad erwiderte: „Was ist dies im Vergleich zu dem, was ich euch in der nächstenNacht erzählen werde, wenn mein Herr, der König, mich leben läßt; cs wird noch weitwunderbarer, angenehmer nnd entzückender scyn." Das Herz des Königs entbrannte vorVerlangen, die weitere Erzählung zu hören, und er beschloß bei sich: Bei Gott, ich lass'sic nicht umbringcn, bis ich das Ende der Geschichte vernommen, und gehört habe, wasaus dem Kaufmanne geworden; dann erst will ich sic, nach meiner Gewohnheit, gleich denübrigen Frauen tödten lassen. Er ging hierauf seinen Rcgicrungsgcschäften nach undtraf ihren Vater, den Vesir, der darüber sehr erstaunt war. Bis zur Nacht blieb er imDiwan, ging dann wieder in seinen Palast zurück, begab sich zu Bette, und nachdem ermit Schehcrsad eine Weile geschlafen, sprach Dinarsad: „Ich beschwöre dich bei Gott,meine Schwester! wenn du nicht schläfst, so erzähle mir eine deiner schönen Erzählungen,damit wir den übrigen Theil der Nacht dabei durchwachen." Jene sagte: „Es macht mirVergnügen und Ehre." Da erwiderte Dinarsad: „Thu' dies aber nicht, ehe dir unserKönig, Gott erhalte ihn lange! die Erlaubniß dazu gibt." Als hierauf der König sagte:„Erzähle;" da sprach Schehcrsad: