D r i t t t N a ch t. 21
der Kaufmann seinen Cid so treu gehalten, und sagte: „Auch ich kann diesen Ort nichtverlassen, bis ich weiß, was sich zwischen dem Kaufmann und dem Geiste zutragen wird."
Während sic so im Gespräch waren, kam noch ein alter Mann mit einem schlechten magernMaulthiere; nach gegenseitigem Gruße fragte dieser: „Was thut ihr hier und warum istder Kaufmann so traurig und niedergeschlagen?" Die beiden Alten erzählten ihm nundie Geschichte und sagten ihm auch, daß sie hier warten wollten, um zu sehen, wie cs ihmmit dem Geist ergehen werde. Als der Alte dies hörte, sagte er: „Auch ich, bei Gott,will nicht von hinnen weichen, bis ich sehe, was sich mit diesem Mann und dem Geistereignen wird; er sezte sich hierauf zu ihnen, und sie unterhielten sich eine kleine Weile.
Da kam auf einmal ein großer Staub aus der Wüste her gezogen, und der Geist erschienmit einem bloßen Schwerte von Stahl in der Hand und ging auf sie zu, ohne sie zugrüßen. Als er bei ihnen war, zog er den Kaufmann an der linken Hand in die Höheund sprach: „Steh' auf, daß ich dich tödte!" Der Kaufmann weinte und die drei Altenweinten auch und jammerten laut.
Hier bemerkte Schchersad den Tagesanbruch und schwieg. Dinarsad sprach zuihr: „O wie schön und wundervoll ist deine Erzählung, meine Schwester." Schchersaderwiderte: „Was ist dies im Vergleich zu dem, was ich Euch in der folgenden Nachterzählen werde, wenn mein Herr der König mich leben läßt; es wird noch weit wun-derbarer, angenehmer und entzückender scpn." Das Herz des Königs entbrannte vor Ver-langen, die weitere Erzählung zu hören, und er beschloß bei sich: Bei Gott, ich lass' sicnicht umbringen, bis ich das Ende der Geschichte vernommen, und gehört habe, wasaus dem Kaufmanne geworden, dann erst will ich sie, nach meiner Gewohnheit, gleichden übrigen Frauen tödten lassen.
Er ging hierauf seinen Regierungsgcschästen nach und traf ihren Vater, den Vesir,der darüber sehr erstaunt war. Bis zur Nacht blieb er im Diwan H ging dann wiederin seinen Palast zurück, begab sich zu Bette, und nachdem er mit Schchersad eine Weilegeschlafen, sprach Dinarsad: „Ich beschwöre dich bei Gott, meine Schwester! wenn dunicht schläfst, so erzähle mir eine deiner schönen Erzählungen, damit wir den übrigenTheil der Nacht dabei durchwachen." Jene sagte: „Es macht mir Vergnügen und Ehre,"und erzählte:
' Diwan bedeutet hier Staatsrath, wird aber auch sonst für jede Versammlung, wo Staatsgeschästebesorgt werden, gebraucht; das Wort heißt eigentlich Nath, wird aber auch bekanntlich von einerSammlung Gedichte und von einem Sofa gebraucht.