Eingang. 9
Stelle versieht." Der Bauer spannte den Esel ein, führte ihn auf's Feld, schlug ihnund quälte ihn bis er Pflügte; er schlug ihn so lange, bis er ihn: fast die Nippenzerbrochen und die Haut vom Halse abgcschnnden hatte; als er ihn des Abends wie-der nach Hause führte, konnte der Esel keinen Fuß mehr rühren und trug seine Ohren
niederhängend.
Der Ochs hingegen hatte den ganzen Tag ausgcruht, die ganze Krippe geleert, undfür den Esel gebetet und seinen Nach gelobt. Als Abends der Esel zu ihm kam, stander vor ihm ans, und sprach: „Guten Abend, o Vater der Gescheuten! Du hast mir beiGott eine unbeschreibliche Wohlthat erwiesen, indem ich nicht angespannt und nicht geplagtworden bin; Gott belohne dich dafür statt meiner, o Vater der Aufgeweckten!"
Aber vor Zorn antwortete ihm der Esel nichts; denn er dachte: dies alles ist mirwegen meines unseligen Raths widerfahren; cs war mir ganz wohl, da ließ mir mein
Uebermuth keine Ruhe; bringe ich ihn nun nicht durch irgend eine List in seinen früheren
Stand zurück, so gehe ich dabei zu Grund. Er schlich hierauf müde zur Krippe. DerOchs aber jauchzte laut und wünschte ihm immer viel Gutes.
„Eben so, meine Tochter, wirst du verderben durch deinen schlimmen Entschluß; bleibealso ruhig und stürze dich nicht selbst in das Verderben; ich rathc dir aus Mitleid fürdich." Sie aber erwiderte: „Ich will zum Sultan gehen, um ihn zu hcirathcn." DerVater sagte noch einmal: „Thue dies nicht!" aber sie erwiderte: „Es muß geschehen."
Da sprach der Vater: „Wenn du nicht ruhig bleibst, so werde ich mit dir verfahren,wie der Kaufmann mit seiner Frau." — „Was that denn der Kaufmann mit ihr?" fragtedie Tochter, und der Vesir antwortete: „Wisse, nachdem dies zwischen dem Ochsen und demEsel vorgefallcn, ging der Kaufmann einmal in der Nacht beim Mondschein in denStall; da hörte er wie der Esel dem Ochsen sagte: „O Vater der Ochsen! was wirst duwohl morgen thun, wenn dir der Bauer das Futter bringt?" Jener antwortete: „WasAnders, als was du mich gelehrt? Das werde ich stets thun, ich werde mich krankstellen, auf den Boden werfen und meinen Leib aufblasen." Da schüttelte der Eselseinen Kopf und sagte: „Thue dies nicht, o Vater der Ochsen! Weißt du, was ich vonuuserm Herrn, dem Kaufmanne, gehört habe, und was er dem Bauer gesagt?" —„Nun, was hat er gesagt?" fragte der Ochs. „Er sagte," antwortete der Esel,„wenn heute der Ochs nicht aufsteht und sein Futter nicht frißt, so laß ihn gleich beimMetzger schlachten; laß ihm die Haut abziehcn, und ich vertheilc dann sein Fleisch unterdie Armen. Folge mir daher, ich fürchte für dich, — und einen guten Rath ertheilen ist
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