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1 (1899) Fürsten und Magnaten, Edle und Ritter
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Deutsche Privatbriefe des Mittelalters.

569.

Michaek von Kkumeneck an seinen Kruder Martin von Kkunreneck.

Ohne Ort. 1480 April 18.

Er habe seinem Wunsche gemäß eilig zu ihm kommen wollen, sei aber unterwegs in eine Wolfsgrubegefallen, aus der er sich nur mit großer Mühe befreit habe. Die Antwort ans seinen Brief lege er bei.

Freiburg i. Br., Stadtarchiv. Or.

Früntlichcr, liebster brüder. Ich bin ob 60 millen geritten des Stock-ivigerS halb w., und so ich koinen bhn und dinen brheff gesechen hau, daz ichaugcshcht diuß brycff komcn sol, und init inelduug etwas, daz ich geren hörenivcrd w., bhn ich usfgescssen und in ilt zü dir wellen. Also Hab ich gegen derMos;') und by der Nvrdrach") hynab wellen ritten, und so ich hhc disser syt derMos; über ein eck ritteil wil, so haben 3 buren ein wolffgrüb gemacht und dieschon verdeckt, und bhn ich lind daz Pferd drycr gedemer") hoch in die wolffgrübgefallen, also darum vcrlbsliben, daz Pferd einsteils uff mir gelegen uff einem

schenckel, also daz ich mich mhns; lebcns gant; verivegen ^) hat zü sterben. Jedoch

halsf mir got, daz ich den schenckel mit grosser not üsßgrüb mit einer hant.lind bhn also bh einer halben stund under dem Pferd gelegen, und daz Pferduff mir gestorben. Und do ich ledig worden bhn, do kont ich nit üs; dem lochund grüb, daz ich ußkomen inöcht, und fiel zü dem dritten mol hoch wider indaz loch. Zü dem ficrden mol halsf mir got uß, und ivolt zü dir shn. Inden sthffelen mocht^) ich knm gen Schöuenbnrg.") Ich dannck got dem Heren, dazmir kein gelid zerbrochen ist. Myn anligcn und min entwirt uff din geschrifftfhiidcst in disscin brheff ein cvpph, lvß dir befallen shn! Got der herre habedich und die dinen in shncm schyrm! Tatnm uff zhnstag noch mhnserdhkordia

domine anno domini 80. jar -e. Michel von Blümnegk.

doch gebeten, „ihn gegen den Mördcl zu ledigen". Er habe cs trotz sciticr Zusage nicht gcthan. Nnithabe er den Mordet gebeten, ihn nicht zu Acht kommen zu lassen, er wolle ihm bis Ostern gcnngthnn, wasjener auch zugestanden habe. Er sei nun nach Rottwcil geritten an das Hofgcricht, in dem Glauben, cssei das dritte Gericht gewesen; cS wäre aber schon das vierte gewesen. Er sei dann zu Meister Jorgen, „sinbrockcratnß" (Sachwalter), gegangen und habe dann auch Ziel bis Ostern erlangt. Nun solle der Schwagerihn „vor kosten halten", zumal er ein Pferd tot geritten habe. — Am 1b. März (Indira) folgt dann eingroßer Klagebricf Michaels v. Bl. an denselben. Er sei in großer Slot und Mangel, ebenso Weib undKind, er erhielte von ihm aber nichts als „brycff und schlechte wort". Bernhard solle das Geld um Gotteswillen nach Schauenburg bringen; wenn er da nicht wäre, solle inan das Geld Ulrich von Schauenburggeben, der ihm bisher Geld geliehen habe, weil er sonst Mangel und Slot gelitten haben würde. Gäbeer ihm nichts, wolle er weiter borgen bis zu dem „mcytag" <1. Mai), „daz du mich dann nit ließest an zynßund höbtgüt", da er ja der erste nach seiner Zusage sein sollte, den er „ablöscn" wolle. Er bittet noch-mals flehentlich, jener möge ihm „in sattcl" helfen, er wolle cS ihm so vergelten, als wenn er ihm dasGeld geschenkt hätte. Auf der Adresse steht am Schluß: „in shn Hände, und sv ec im disß brhcffly geschafftmöcht werden, so lieber mir wcrc." Darauf von anderer Hand: „dem und ist und ist nichts." Am 3. April(Ostermontag) schreibt wieder Martin v. Bl. an ihn und beklagt sich über das Ausbleiben der Antwortans seine Briefe. Jener habe ihm gelobt, ihn bis Ostern zu ledigen: nun wäre Ostern da, und cS seinichts geschehen. Er habe große Kosten mit Pferd und Botenlohn gehabt und wäre der Sicht nngelcdigt: ersolle ihn schnell entheben von sämtlichem Schaden, sonst käme er (Martin) in -l Tagen in die Acht. DieSnnlmc sei jetzt durch die Gcrichtskostcn noch größer. Wenn jener ihn nicht löste, würde er allenGlauben an ihn verlieren. „Grüß mir min mmncn!" Am 1. April (Dienstag nach Ostern) wiederholter die Bitte und gicbt speziellere Nachricht. (Or. Ebenda.)

') wohl die Höhe nordwestlich Gcngcnvach. ^) wohl das Thal nördlich von Neustadt. ") Stock-werk. -p worauf verzichten. °) konnte. Burg bei Oberkirch im Rcnchthal.