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1 (1899) Fürsten und Magnaten, Edle und Ritter
Entstehung
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Einleitung.

kleiner Teil davon bisher aus den Archiven in die Öffentlichkeit gekommenift. Schon in meiner Geschichte des deutschen Briefes habe ich mich daherbesonders bemüht, den Brief als Spiegel für die Lebensgeschichte unseresVolkes zu benutzen. Aber diese Partieen meines Buches durften nicht allzusehr ausgedehnt werden, sie können jedoch einen Begriff davon geben, einewie vortreffliche Quelle für die deutsche Kulturgeschichte eben jene privatenBriefe sind, die die politische und Litteraturgeschichte nicht interessieren.Gar oft findet sich auf solch einein Faszikel die verächtliche Bemerkungeines alten Archivars:Ohne Bedeutung!" oderNicht von Belang!"Gewiß! Denn das, wofür sie von Bedeutung sind, das suchte und suchtman ja in den Archiven nur selten. Man sucht eifrig nach neuer Auf-klärung über politische Vorgänge im weitesten Sinne, man sucht nach allem,was für die Genealogie Bedeutung hat, man sucht neuerdings mit Erfolgnach neuem verfassungs- und wirtschaftsgeschichtlichem Material und so fort.Aber etwas sucht man selten das sind die Menschen der Vergangen-heit. Wer eine Biographie schreibt, den interessiert allerdings der innereMensch, aber meist eben nur dieser eine, nur sein Held. Genau so machen esdie Litteratnr- und Kunsthistoriker mit archivalischen Forschungen auf ihremGebiet, lind da rächt sich bei der Charakterisierung dieser Helden so überaushäufig die geringe oder gänzlich mangelnde Kenntnis von dein Seelenlebender Zeit überhaupt.

Wer da glaubt, die Menschen seien in ihrem Fühlen und Wollen zuallen Zeiten dieselben gewesen, wer den vergangenen Menschen nur nachdem psychologischen Maßstab der heutigen Menschen mißt, der ist keinrechter Historiker. Allgemein wird man die Richtigkeit dieses Satzes freilicherst erkennen, wenn man sich eben mehr bemüht, in das Seelenleben nichtnur einzelner, irgendwie hervorragender Individuen, sondern auch in dasder anderen Menschen einzudringen. Dann wird man die Entwickelung derVolksseele" nicht mehr als etwas mystisches bezeichnen können.

Kulturgeschichte ist historische Psychologie im weitesten Sinne. Ver-deutsche Mensch ist der Held der deutschen Kulturgeschichte. Und hierfüreben find die Privatbriefe eine so vortreffliche Quelle. Daneben sind sievon größtem Wert für die Kenntnis des privaten äußeren Lebens, dermateriellen Lebenshaltung, der Geselligkeit, des Familienlebens und so fort.Ihr Wert steigt in beiden Beziehungen mit ihrem Alter. Gerade für dasMittelalter fließen die Quellen in dieser Hinsicht sehr spärlich; hier schienmir die Erschließung neuer Quellen am dringlichsten.

Die deutschen Privatbriefe zunächst nur des Mittelalters zu sammeln,schien aber noch aus einem anderen Grunde nützlich. Nach meinen früherenErfahrungen konnte das hierfür in den Archiven überhaupt noch vorhandeneMaterial nicht allzu groß sein, und es erschien so am ersten möglich, eineinigermaßen vollständiges Korpus zu geben. Während die Stoffmassen vom