König Balduin I. 307
müthigcn Worte, welche viele sich gegen ihn erlaubten, undverwies es mit Härte seinen Dienern, wenn diese es unter-nahmen, die Würde ihres Kaisers zu vertheidigen - dennängstlich zitterte er vor dem kleinsten Streite, damit nichtdadurch Anlaß zu großem Unheil werde. Der Kaiser schwieg,obwohl die Grafen oft nicht in gebührlicher Begleitung, son-dern mit einer Schar vor ihm erschienen, welche das ganzekaiserliche Gemach erfüllte; er hörte sie zu jeder Zeit, oft saßer schon bcy Aufgang der Sonne auf seinem Thron, um dieForderungen und Wünsche der Kreuzritter zu vernehmen,und bei) dem Untergange der Sonne hatte er den Thron nochnicht verlassen; oft ward ihm kaum die Zeit vergönnt, sichmit Speise und Trank zu stärken, ja selbst in manchen Näch-ten ward ihm gar keine Ruhe zu Lheil, und er genoß nurauf dem Throne, den Kopf mit den Händen stützend, eineskurzen wenig erquicklichen Schlafes, den bald die Ankunftneuer ungestümer Ritter unterbrach ^). Wenn alle Hof-leute ermüdet durch die Anstrengungen des Tages und durchNachtwachen sich nicht mehr aufrecht zu halten vermochten,und thcils auf die Sitze, theils auf den Boden ermattetnicdersankcn, so bot Alexius noch seine letzten Kräfte auf,um die ermüdendste Redseligkeit der Lateiner mit Aufmerk-
q) Anna Co m nena setzt, nach-dem sie dieses mit biiterm Schmerze(S. qzz. 436.) erzählt, in dem af-feetirlcn, fast komisch lautendenweinerlichen Ton, der so oft in denletzten Büchern der Alexias vor-kommt , folgende Bemerkung hinzu:>,Wie eine mit dem Hammer getrie-bene Säule entweder von Stein odervon kaltgeschmiedctcm Eisen gefertigt,
so sah er dis ganze Nacht, vomAbend oft bis in die Nacht, oftauch bis zum dritten Hahngcschrcn".